Hat die Küche ausgedient?

Foto eines Velokuriers

Hat die Küche ausgedient?

Vor 20 Jahren bestellte man Essen direkt beim Pizzaiolo des Vertrauens. Später kamen sogenannte Aggregatoren hinzu, also Plattformen, auf denen verschiedene Anbieter präsent sind. Solche Aggregatoren wie beispielsweise eat.ch wirken als Mittelsmann zwischen Endkonsument und Produzent. Seit einiger Zeit entwickelt sich ein neuer Typus Aggregator: Die Plattformen sind nicht nur Vermittler, sie übernehmen auch die Auslieferung für die Anbieter.

Die Digitalisierung macht’s möglich und krempelt die Branche ordentlich um. In Amerika boomt das Business besonders und soll bis 2022 30 Milliarden US-Dollar wert sein. In den vergangenen drei Jahren stiegen die App-Downloads entsprechender Anbieter um 380%. Das Portal Statista geht bis 2022 von einem weltweiten Marktvolumen in der Höhe von 146.7 Milliarden US-Dollar aus.

Amazon hat gerade knapp 600 Millionen US-Dollar in den britischen Anbieter Deliveroo eingeschossen. Das Unternehmen – gegründet von einem Investmentbanker und einem Software-Ingenieur – ist erst sechs Jahre alt, aber bereits in 500 Städten respektive 14 Ländern aktiv. Uber baut seit ein paar Jahren Uber Eats auf und gehört ebenfalls bereits zu den grossen Playern. Der diesjährige Umsatz von Uber Eats wird auf 1 Milliarde US-Dollar geschätzt.

In der Schweiz boomt der Markt ebenfalls und legt seit einigen Jahren stetig zu. Der Umsatz 2018 betrug gut 133 Millionen US-Dollar, bis 2023 wird er gemäss Statista auf 230 Millionen anwachsen. Schweizerinnen und Schweizer bestellen besonders häufig italienische, asiatische und türkische Speisen, wie Martin Abderhalden von GastroSuisse in einem Interview mit dem GastroJournal äusserte.

Einem Trend der Branche – das Bedürfnis nach gesundem Essen – tragen die neuen Aggregatoren bereits Rechnung. Denn auf Plattformen wie Deliveroo finden sich viele reguläre, teilweise hochkarätige Restaurants, die über keinen eigenen Lieferservice verfügen. Es ist davon auszugehen, dass die Anbieter künftig noch expliziter auf die Kriterien Gesundheit und ebenso Nachhaltigkeit eingehen. Die deutsche App Vanilla Bean will beispielsweise bald mit einem verpackungsfreien Lieferdienst starten.

Der Boom bringt auch neue Restaurant-Konzepte hervor. «Ghost Kitchens», deutsch Geisterküchen, bezeichnet Restaurants, die eigentlich keine sind. Sie produzieren lediglich für Online-Lieferservices, haben ausserhalb der Plattformen manchmal nicht mal eine eigene Webseite und auch nicht immer eine Lizenz. Die amerikanische Green Summit Group setzt offiziell auf das Konzept des virtuellen Restaurants, produziert in Zentralküchen und vertreibt das Essen ausschliesslich über die Apps Grubhub und Seamless.

Nicht nur die Gastro-, auch die Immobilienbranche dürfte den Lieferdienst-Trend also langfristig spüren. Ob auch unsere privaten Küchen bald verschwinden, bleibt abzuwarten. Der Report «Is the Kitchen Dead?» (deutsch: Ist die Küche tot?) der UBS schliesst jedenfalls nicht aus, dass wir uns bis 2030 hauptsächlich über das Internet verpflegen.

Foto mit Frauen am Rugby spielen

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