Hoffnung Negativzins

Die Fassade der Schweizerischen Nationalbank SNB

Hoffnung Negativzins

Ein Zins funktioniert wie eine Art Belohnung. Wer bei einem Dienstleister Geld deponiert, erhält dafür eine kleine Rendite. Ein Negativzins kehrt den Mechanismus um: Wer bei einem Dienstleister Geld deponiert, muss dafür einen kleinen Betrag entrichten. Man spricht im Volksmund auch von «Strafzins».

Eine Zentralbank greift unter anderem zu diesem Mechanismus, um das Horten von Geld unattraktiv zu machen und die Wirtschaft anzukurbeln. Der Negativzins soll zu einer erhöhten Kreditvergabe führen, da Banken daran interessiert sind, Geld in Umlauf zu bringen, um keine Negativzinsen zahlen zu müssen.

Die Schweizerische Nationalbank SNB hat 2015 einen Negativzins für Girokontoguthaben von Geschäftsbanken eingeführt. Es gibt pro Girokontoinhaber einen Freibetrag von mindestens zehn Millionen Franken. Gemäss der Schweizerische Bankiervereinigung bezahlen hiesige Banken der SNB jährlich zwei Milliarden Franken an Negativzinsen.

Das sei ein massiver Eingriff in die Rentabilität der Banken, findet der Präsident der Bankiervereinigung Herbert J. Scheidt. Ob und wie Geschäftsbanken den Negativzins an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben, ist den Bankgesellschaften überlassen. Manche Institute erhöhen die Kontoführungsgebühren, manche senken Zinssätze.

Der Negativzins birgt die Gefahr riskanter Vermögensverschiebungen. Da kein Anreiz besteht, das Geld auf einem Konto liegen zu lassen, steckt man das Vermögen zum Beispiel in Immobilien oder andere Anlagen. Durch die Nachfrage erhöhen sich die Anlagenpreise. Es können Spekulationsblasen entstehen.

Ob die Anti-Rezession-Massnahme tatsächlich langfristig funktioniert, ist umstritten. Man weiss aus der Praxis noch nicht, wie tief Zinssätze fallen dürfen bis beispielsweise ein Ansturm auf Bargeld entsteht. Die Schweiz ist längst nicht der einzige Staat mit Negativzinsen. Die japanische Zentralbank etwa setzt ebenfalls auf die Massnahme.

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