Hollywood im Aufwind?

Einige Leute im Kino von hinten

Hollywood im Aufwind?

Das ablaufende Jahr war für Hollywood ein Drama, dessen Drehbuch noch geschrieben werden müsste. Menschen wie Studios litten unter der Corona-Pandemie, denn Film bedeutet oft auch Nähe – beim Dreh genauso wie beim Konsum. Und Nähe galt es 2020 bekanntlich zu vermeiden. Aufgrund der Schutzmassnahmen mussten darum viele Kinos geschlossen werden.

Ohne Kinos keine Blockbuster? Tatsächlich wurden 2020 nur wenige Filme mit Hit-Potential – will heissen: (potentielle) Kassenschlager – lanciert. Mit Kinoeintritten lässt sich eben doch noch Geld verdienen. Einige Ausnahmen gab es – etwa Disneys Actionfilm «Mulan», der am 4. September erschien. Die Geschichte der chinesischen Kriegerin konnte man aber nicht in den Kinos verfolgen, sondern zuhause auf dem Sofa: Den Kund*innen der Plattform Disney+ wurde der Streifen für 30 Dollar im Heimkino angeboten.

Ein Grossteil der Blockbuster-Premieren wurde aber tatsächlich ins nächste Jahr verschoben. So etwa «No Time to Die», der letzte James-Bond-Film mit Daniel Craig als 007. Er sollte im November in die Schweizer Kinos kommen, ist nun aber für den Frühling 2021 angesagt

Kinofans müssen sich auch noch etwas auf den Marvel-Action-Streifen «Black Widow» und die Neuauflage des Science-Fiction-Films «Dune – Der Wüstenplanet» gedulden – die Lancierung beider Filme ist für 2021 geplant.

«Dune» wird von Warner, einem der fünf Major-Studios, vertrieben. Und Warner lanciert 2021 seine Filme – neben «Dune» etwa auch «Matrix 4», «Godzilla vs. Kong», «The Suicide Squad», «Mortal Kombat», «Tom & Jerry» und «Conjuring 3» – nicht nur in den Kinos, sondern zeitgleich auch als Streams. Das Studio will angesichts der Lage nun nicht länger von den Kinos abhängig sein.

Dieser Strategiewechsel liess die Aktienkurse von Kinoketten purzeln: Cinemark verlor nach der Ankündigung rund 22 Prozent, AMC büsste 16 Prozent ein. Gross scheint die Angst unter Anleger*innen, dass sich Filmfans cineastische Leckerbissen künftig nur noch im Wohnzimmer statt im Kino gönnen. Die Reaktion der Börsianer*innen muss nicht zwingend eine Trendwende bedeuten. Eine (vorläufige) Verabschiedung vom Filmkonsum in grösserer Gesellschaft ist jedoch nicht ausgeschlossen.

Hollywood selbst sollte 2021 aber weniger Verluste einfahren. Zumindest gehen Versicherer von geringeren Schäden in der Filmbranche im nächsten Jahr aus. Das hat nicht nur mit den Aussichten auf eine Impfung zu tun, die Menschenansammlungen in Zukunft wieder ermöglichen könnten, sondern auch damit, dass viele Studios bereits auf die neuen Gegebenheiten reagieren konnten. 

Darüber hinaus mögen sich vielleicht die Konsumgewohnheiten von Filmfans verändern. Es ist aber zu bezweifeln, dass ihnen der Appetit auf Blockbuster gänzlich abhanden kommen sollte – dafür dürften sich die letzten beiden Jahrzehnte als zu nachhaltig prägend erweisen. 

Das Netflix Logo auf einem Fernseher

Das Netflix-Gesetz

Der Nationalrat hat entschieden, dass Streaming-Anbieter in Zukunft einen Teil ihrer Einnahmen in den Schweizer Film investieren müssen. Was heisst das konkret?