Im Namen der Internetpiraterie-Religion

Illustration eines untergehenden Piratenschiffs

Im Namen der Internetpiraterie-Religion

Besitz mit anderen zu teilen, ist eine ehrenhafte Tat. Solange es der eigene Besitz ist. Das sehen Anhänger des Kopimismus anders: Für sie ist das Reproduzieren von Informationen «ethisch korrekt». Die Gemeinschaft hat ihre Ursprünge in Schweden, wo «Die missionarische Kirche des Kopimismus» seit 2011 sogar offiziell als religiöse Gemeinschaft gilt. Aus dem Kopimismus-Umfeld ging 2003 auch The Pirate Bay (übersetzt: Die Piratenbucht) hervor.

Die Filesharing-Plattform wurde von Peter Sunde, Svartholm Warg, Fredrik Neij und Carl Lundström ins Leben gerufen. Letzterer war wichtiger Geldgeber für The Pirate Bay, kurz TPB. Lundström gilt als Rechtspopulist und soll in der Vergangenheit auch entsprechende Parteien finanziert haben. Heute leitet er das Schweizer Blockchain-Start-up Centrabit.

TPB speichert keine Dateien, sondern agiert als eine Art Vermittler. User suchen in einer Google-ähnlichen Maske gewünschte Files, beispielsweise nach einem Musikalbum oder Film, und gelangen zu verlinkten Seiten mit entsprechenden Inhalten. Praktisch alle Inhalte werden ohne Einverständnis der Urheber kopiert und verbreitet. Was Kopimisten als ethisch korrekt erachten, ist illegal und ein riesiges Problem für die Wirtschaft.

2006 verzeichnete TPB angeblich 1 Million User pro Tag. Im selben Jahr wurde eine Razzia durchgeführt und TPB vom Netz genommen. Allerdings nicht lange: Drei Tage später war die Seite über einen niederländischen Host wieder auffindbar. Die Nutzerzahlen sollen sich im Anschluss verdoppelt und alleine die schwedischen Kreativschaffenden aufgrund der Piraterie in jenem Jahr rund 500 Millionen Euro verloren haben.

Während die Unterhaltungsindustrie blutet, haben sich die TPB-Betreiber offenbar ordentlich bereichert. 2006 soll monatlich für knapp 85’000 US-Dollar Werbung auf The Pirate Bay verkauft worden sein. Gemäss der Non-Profit-Organisation Digital Citizens Alliance haben die populärsten Piraterie-Seiten im Jahr 2014 insgesamt 227 Millionen US-Dollar durch Werbeeinnahmen generiert. Denn: Wo es viel Traffic gibt, können Anzeigenplätze teuer verkauft werden.

2009 führten die Urheberrechtsverletzungen zur Verurteilung der Pirate-Bay-Gründer. Damals bewegten sich bis zu 22 Millionen User gleichzeitig auf der Filesharing-Plattform, die mittlerweile auf 34 Sprachen verfügbar war. Sunde & Co. mussten diversen Geschädigten, darunter Warner Brothers und Sony Music, Schadenersatz in Millionenhöhe bezahlen und eine Haftstrafe absitzen.

Trotz des Urteils ist TPB von den meisten Ländern aus noch abrufbar und wo nicht, lässt sich das Problem über sogenannte Proxy-Seiten leicht umschiffen. Mittlerweile gehen immer mehr Geschädigte gegen nationale Internetanbieter statt die eigentlichen TPB-Betreiber vor. In Österreich mussten 2018 beispielsweise zwei Provider den Zugang zu TPB sperren.

Das revidierte Schweizer Urheberrechtsgesetz tendiert in dieselbe Richtung. In der Medienmitteilung vom November 2017 ist zu lesen: «Die Pirateriebekämpfung erfolgt dort, wo sie am effizientesten ist: bei den Hosting-Providern.»

Urheberrechte sind generell

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Screenshot einer Szene aus dem Despacito-Musikvideo

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