Die Welt in der Schuldenfalle

Foto einer Hand die aus dem Wasser ragt

Die Welt in der Schuldenfalle

Der Internationale Währungsfonds (IWF) vergibt als Sonderorganisation der Vereinten Nationen Kredite an Länder ohne ausreichende Währungsreserven. Im Oktober des vergangenen Jahres sprach der IWF eine deutliche Warnung aus: 40 Prozent der Unternehmensschulden in acht führenden Industrienationen könnten im Fall einer Rezession nicht mehr gedeckt werden. Tausende von Firmen würden bei einer weltweiten Krise auf einen Schlag zahlungsunfähig.

Im vergangenen Dezember schlug dann auch die Weltbank Alarm: Bis und mit 2018 häuften auch die Entwicklungsländer einen Schuldenberg von 55 Trillionen Dollar an. Dieser rekordverdächtige Anstieg, so liess sich Weltbank-Präsident David Malpass zitieren, sollte für alle ein Anlass zur Sorge sein. 

Zwar riet die Weltbank gerade Entwicklungsländern lange dazu, sich für die Finanzierung von Infrastrukturen und für Investitionen Geld auf dem internationalen Finanzmarkt zu leihen. Allerdings gingen viele Länder in den vergangenen Jahren dazu über, mit dem Geld auch Bildungsprogramme, sozialstaatliche Dienstleistungen und Gesundheitskosten zu finanzieren.

Den beiden Berichten wird – angesichts weiterhin steigender Börsenkurse – derzeit noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Gewisse Analysten neigen auch zu der Ansicht, der IWF und die Weltbank würden in ihren Berichten übertreiben – sie seien nach der durch sie nicht vorhergesehenen Finanzkrise von 2008 geradezu paranoid geworden. 

Andere sehen die beiden Institutionen als archaische Überbleibsel der Weltordnung nach dem zweiten Weltkrieg, die nicht mehr fähig seien, eine neue Phase der Weltwirtschaft zu begreifen.

Laut Experten kann Verschuldung volkswirtschaftlich Sinn machen – z.B. für die Finanzierung von Projekten oder die Erhöhung der Produktivität. Wenn die Schulden aber zunehmen, ohne ökonomischen Nutzen (wie etwa bei fremdfinanzierten Immobilienkäufen oder überdimensionierten Infrastrukturbauten) zu bringen, ist dies gefährlich. 

Die Befürchtungen lauten dementsprechend, dass das soeben angebrochene neue Jahrzehnt erneut eine Krise bringen könnte. «Noch nicht 2020, vielleicht auch nicht 2021. Aber die Krise wird kommen», wie der renommierte Schweizer Wirtschaftsjournalist Mark Dittli meint. 

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