FOMO und Karriereplanung

Foto von vielen «Hello, My Name is» Aufklebern

FOMO und Karriereplanung

Der Schweizer Soziologe Peter Gross prägte mit seinem 1994 erschienen Bestseller den Begriff der Multioptionsgesellschaft. Dieser steht laut Gross für die »endlose und kompetitive Ausfaltung neuer Möglichkeiten«, die moderne Gesellschaften prägt. 

Nicht nur in Bezug auf Waren und Dienstleistungen, sondern auch was Beziehungen, Lebensentwürfe und Karrieren angeht bieten sich uns unzählige Optionen. Das ist zwar positiv – kann einem aber auch unter Druck setzen: Man beginnt sich überfordert zu fühlen, meint, dass man die beste Option nicht gewählt hat, noch nicht einmal von ihr wusste.

Unsere Ansprüche sind hoch: Nicht nur der Partner soll möglichst perfekt sein, auch der Job soll Erfüllung bringen. Das Bild der einen, total erfüllenden Karriere auf einem bestimmten Beruf entspricht jedoch längst nicht mehr der Realität. 

Eine Umfrage des amerikanischen Instituts Gallup zeigte etwa, dass jede/r Fünfte der Befragten mit Jahrgängen zwischen 1980 und 1996 im letzten Jahr den Job wechselte. Für amerikanische Student/innen zeigen die Zahlen dabei ein besonders betrübendes Bild: Nach dem langen und teuren Studium bekunden viele Mühe, im Berufsleben Fuss zu fassen.

In hiesigen Breitengraden hat die watson-Bloggerin Bianca Jankovska mit ihrem 2018 veröffentlichten Buch «Das Millenial Manifest» die Arbeits- und Lebensumstände ihrer Generation ähnlich trist beschrieben. Die Aussicht auf «40 Jahre Erwerbsarbeit» treibe einen dazu, auf der Suche nach einem erfüllenden Job «planlos herumzueiern». 

Statt einer sinnvollen Tätigkeit lande man in einem mies bezahlten Praktikum. Mit ihrer Diagnose, dass gerade kreativ Tätige in der Prekarität landen und resignieren, steht Jankovska nicht allein da. Die Romantik des Verzichts auf einen Arbeitsvertrag, um den Traum vom selbstbestimmten Leben zu verwirklichen, wie dies das 2006 veröffentlichte Manifest der digitalen Bohéme «Wir nennen es Arbeit» forderte, ist Ernüchterung gewichen.

Laut der aktuellen Managementforschung müssen wir damit klarkommen, dass heutige Karrieren und Lebensverläufe eher in einem Projektmodus und zwischen verschiedenen Organisationen funktionieren. 

Vielleicht gilt es, die Frage nach der Sinnsuche im Job zu entschärfen und sich bewusst zu werden, dass sich auch jenseits des einen, alles erfüllenden Jobs Möglichkeiten bieten, um am eigenen Lebensentwurf zu basteln. 

Achtsamkeit statt FOMO (Fear of Missing Out), so lautet die Empfehlung: Die Gegenwart geniessen, statt sich mit der Sehnsucht nach einer interessanteren Zukunft den Tag zu vermiesen. 

Foto eines leeren Restaurants mit Putzpersonal

«Wer nichts wird, wird Wirt»

Eine Bar oder ein Restaurant betreiben kann nicht schwer sein, so die landläufige Meinung. Dabei ist der Konkurrenzkampf und der Kostendruck härter als in den meisten anderen Branchen.