Ist SoundCloud am Ende?

Foto des Rappers XXXTentacion

Ist SoundCloud am Ende?

Die Plattform SoundCloud diente unzähligen Rapstars als Sprungbrett: Lil Pump, XXXTentacion, Travis Scott und Lil Yachty schafften es dank ihren Uploads auf SoundCloud zu Ruhm, Ehre und beachtlichen Chart-Erfolgen. «SoundCloud Rap» heisst das mittlerweile etablierte Etikett, das an jenen Künstlern hängt. Die New York Times spricht von einem Hiphop-Subgenre und der wichtigsten Bewegung, die 2017 in diesem Bereich entstanden ist.

Kurz nach der Publikation des NYT-Artikels sorgte SoundCloud mit einer Massenentlassung für Schlagzeilen. Gut zehn Jahre nach der Gründung erhielten 40% der Angestellten die Kündigung, Büros in London und San Francisco wurden geschlossen. Schon vorher wurde über das Ende der «weltweit grössten Musik- und Audio-Plattform», wie SoundCloud sich selbst betitelt, spekuliert. Eine Finanzspritze in der Höhe von fast 170 Millionen US-Dollar hat das in Berlin ansässige Unternehmen vorerst gerettet. Der Betrag wurde mitunter vom Singapurer Staatsfonds Temasek eingeschossen, der sich bereits an der Fashion-Marke Stone Island beteiligt hat.

SoundCloud hat schon mehrere millionenschwere Finanzierungsrunden hinter sich, 2016 wurde der Wert des Unternehmens auf 700 Millionen Dollar geschätzt. Doch die Plattform hat trotz mittlerweile 170 Millionen Nutzerinnen und Nutzern Mühe, sich im rasant verändernden Musik-Business zu behaupten und vor allem, ihre Inhalte zu monetarisieren. Der neue CEO Kerry Trainor soll’s nun endlich richten, er kennt solche Probleme als Ex-Chef der Video-Plattform Vimeo bestens.

Player wie Spotify, Apple Music und Tidal – allen voran aber Spotify – haben SoundCloud längst überholt. SoundCloud will sich zwar als soziales Netzwerk und nicht als Streaming-Anbieter im klassischen Sinne verstanden wissen. Doch ebendiese befriedigen die Bedürfnisse der Nutzer mit ihren umfassenderen Angeboten, vor allem mit Playlisten und Zusatzfunktionen wie Konzertkalendern, offensichtlich besser. Spotify und Co. haben zudem Deals mit grossen Musiklabels, SoundCloud konnte bisher längst nicht so viele Abkommen für lizenzierte Tracks schliessen und entsprechende Songs nicht in seinen Katalog aufnehmen.

Trotzdem startete SoundCloud im März 2016 einen Bezahldienst. Per se kein leichtes Unterfangen, doch für eine Plattform, die bis dato kostenlos nutzbar war, vermutlich umso schwieriger. Wer ohne Werbung oder ohne Internetverbindung Musik über SoundCloud konsumieren möchte, abonniert nun SoundCloud Go oder Go+. Musikerinnen und Musikern stehen mit SoundCloud Pro und Premier zwei Pakete zur Verfügung. Mit letzterem sollen Künstler unter anderem Streaming-Einnahmen generieren können. Das wäre ein wichtiger Schritt zur Attraktivitätssteigerung, tatsächlich ist Premier gegenwärtig nur in wenigen Ländern verfügbar und die Nachfrage angeblich so gross, dass eine Warteliste geführt wird.

Es sind nicht nur die etablierten Player, die SoundCloud bedrohen. Auch neue Plattformen wollen einen Teil des Kuchens abhaben. Darunter beispielsweise Audius, die das Problem der undurchsichtigen Künstler-Auszahlungen angeht. Die dezentralisierte Speicherung von Tracks und Nutzung der Blockchain-Technologie sollen Ausschüttungen von 85% anstatt der gängigen 70% ermöglichen. In einer ersten Finanzierungsrunde konnte das Start-up bereits 5.5 Millionen Dollar generieren. Unter anderem von der Investmentfirma Kleiner Perkins Caufield & Byers, die auch SoundCloud in mehreren Finanzierungsrunden unterstützt hat.

Vielleicht vermag letztlich der «SoundCloud Rap» die Plattform nachhaltig im hart umkämpften Feld zu positionieren. Der Begriff trägt die Botschaft in sich, die SoundCloud gegenwärtig auszuschlachten und als Alleinstellungsmerkmal zu verkaufen versucht: Wir sind eine Plattform für Entdecker abseits des Bekannten und ein Sprungbrett für Musiker, die den Austausch mit Zuhörern schätzen. SoundCloud stockt entsprechende Tools auf, um für Künstler attraktiver zu werden, und hat beispielsweise die App Pulse lanciert sowie weitere Schnittstellen zu bekannten Musikbearbeitungsapps geschaffen. Mithilfe von Kampagnen wie «First On SoundCloud» und Kollaborationen mit Künstlern wie Major Lazer soll die Botschaft nun ein breites Publikum erreichen.

Bild eines alten Gramophone mit goldenem Trichter

Das erste Bild eines Musikstudios

Die Gramophone Company eröffnete 1898 in London eines der ersten Musikaufnahmestudios überhaupt. Ganz sicher ist es das erste Studio, das jemals fotografiert wurde.