Mit dem Klimakiller schlechthin handeln

Foto einer Raffinerie

Mit dem Klimakiller schlechthin handeln

Die Grundidee des Handels mit Emissionsrechten, wie er als Instrument in der Umweltpolitik in der Europäischen Union seit gut 14 Jahren praktiziert wird, ist überzeugend: Man legt für ein bestimmtes Gebiet und eine bestimmte Zeit eine Obergrenze für den Ausstoss von Kohlenstoffdioxid oder anderen Treibhausgasen fest. Für diese Menge werden dann Zertifikate ausgegeben, die insgesamt zur entsprechenden Emission berechtigen. 

Der Preis dieser Zertifikate wird durch die Nachfrage bestimmt, da sie frei am Markt gehandelt werden. Der Vorteil: Ausschlaggebend ist nur das Gesamtergebnis. Das heisst, dass durch den Handel mit den Zertifikaten diejenigen Unternehmen mit den geringsten Reduktionskosten die Emissionsreduktion jener Betriebe übernehmen können, für die eine Reduktion sehr teuer wäre.

Die Schweiz hat seit 2009 ein Emissionshandelssystem (CH-EHS). Emissionsrechte werden vom Staat an die Marktteilnehmer zugeteilt oder in einem geringeren Mass versteigert. Jedes teilnehmende Unternehmen muss jährlich Emissionsrechte entsprechend seiner Treibhausgasemissionen abgeben. Verfügt es nicht über ausreichend Rechte, muss es diese von anderen Unternehmen zukaufen – hat es überschüssige Rechte, können diese verkauft werden. Die teilnehmenden Akteure sind zudem von der CO2-Abgabe befreit.

Das System funktioniert jedoch hierzulande nur bedingt, weil der Markt zu klein ist. In der Schweiz sind derzeit nur 54 CO2-intensive Unternehmen (wie Zementwerke, Erdöl-Raffinerien oder Papierfabriken) ins System eingebunden. Die Schweiz will deswegen ihr Handelssystem mit demjenigen der EU verknüpfen. Ein entsprechendes Abkommen wurde 2017 unterzeichnet und im März 2019 vom Parlament genehmigt. Nach der Ratifizierung soll es per 1. Januar 2020 in Kraft treten. 

Der Anschluss an die EU soll das System spürbar verbessern, heisst es. Kritische Stimmen, wie etwa der Umweltschutzexperte Patrick Hofstetter vom WWF betonen jedoch, dass der Preis für eine Tonne CO2 weiterhin zu tief sei. Die Lobbymacht der betroffenen Industrien sei gross und so seien zu viele Emissionsrechte da, um tatsächlich eine Wirkung zu erzielen. Die EU will nun das System ab 2021 aber reformieren und deutlich mehr Zertifikate aus dem Markt nehmen als bisher. 

So soll der Forderung nach einem "dynamischen Faktor" stattgegeben werden: Einer fest kalkulierbaren allmählichen Reduzierung der Zertifikate. Dies würde den Druck erhöhen und auch die Suche nach klimafreundlichen Technologien vorantreiben.

Foto eines Regenwalds

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