Phosphor ist Macht

Luftaufnahme eines Baggers beim beladen eines LKW

Phosphor ist Macht

Phosphor ist für Mensch, Tier und Pflanze lebensnotwendig. In unserem Körper speichern wir 700 Gramm davon, den Grossteil in Zähnen und Knochen. Der Mineralstoff wird ebenso Futtermitteln für Tiere und Düngemitteln zugesetzt. Die landwirtschaftliche Nutzung von Düngern mit Phosphor hat in den 50er-Jahren begonnen und sich bis Ende des 20. Jahrhunderts um das Fünffache gesteigert.

Tatsächlich werden mehr als 80% des aus Gesteinen gewonnenen Phosphors in Düngemitteln verwendet, das sind weltweit über 210 Millionen Tonnen im Jahr. Dass der Hauptteil wortwörtlich in die Landwirtschaft fliesst, hängt unter anderem mit der wachsenden Weltbevölkerung und dem damit verbundenen Nahrungsmittelverbrauch, insbesondere dem Fleischkonsum, zusammen.

Der Phosphor-Verbrauch für die Fleischproduktion ist 50% höher als für das meiste Gemüse. Bis 2050, wenn Schätzungen zufolge über 9 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben, soll sich der Phosphor-Düngemittelverbrauch nochmals um die Hälfte steigern.

Bis dahin könnten sich auch die Phosphorreserven erschöpfen, doch man ist sich uneins, wann der «Peak Phosphorus» erreicht sein wird. Klar ist: Die Ressource ist nicht erneuerbar und der Bedarf wächst. Es braucht Rückgewinnungsmethoden und ebenso Aufklärung bezüglich effizientem Dünger-Einsatz.

Der menschliche Phosphor-Bedarf liegt bei rund 0.4 Kilogramm pro Jahr, doch werden pro Kopf und Jahr 22.5 Kilogramm Gestein abgebaut. 80% des für die Lebensmittelproduktion geförderten Phosphors geht auf dem Weg zur Gabel verloren.

Auf diesem Weg gelangt Phosphor oft in Gewässer, Algenbildung ist die Folge. Die sogenannte Eutrophierung schadet der Biodiversität. Im Juli 2018 wurde bekannt, dass der Phosphor-Gehalt im Zugersee bei 80 Milligramm pro Kubikmeter liegt, die Gewässerschutzordnung sieht maximal 30 vor. Auch andernorts kämpft man mit den Folgen des ineffizienten Phosphor-Kreislaufs: Die übermässige Algenbildung kostet die USA jährlich 2.2. Milliarden US-Dollar.

Die Lage wird aufgrund der Verteilung des Phosphorgesteins noch prekärer. Fast 90% der Reserven befinden sich in insgesamt nur fünf Ländern: China, Algerien, Syrien, Südafrika und Marokko. Wobei Marokko mit Abstand auf den meisten Reserven sitzt.

Das bedeutet Abhängigkeit – für den Weltmarkt, aber auch für alle anderen Staaten. Welche Auswirkungen ebendiese haben kann, zeigte sich 2008. Als der Preis pro Tonne Phosphor vorübergehend von 50 auf 430 US-Dollar hoch schnellte, kam es in vielen Entwicklungsländern zu gewalttätigen Unruhen.

Die geopolitische Abhängigkeit von Nicht-Reservestaaten liesse sich umgehen. Sofern wir Rückgewinnungsmethoden einsetzen. In der Schweiz wird Phosphor-Recycling ab 2026 obligatorisch, d.h. dass Kläranlagen den Nährstoff künftig ausfiltern müssen.

Die aktuelle Importmenge von 4.5 Tonnen pro Jahr dürfte sich anschliessend drastisch reduzieren. Denn menschliche Exkremente, Lebensmittelabfälle, Mist und Gülle sind wahre Phosphor-Schätze. Jährlich produziert die Weltbevölkerung alleine durch ihre Ausscheidungen 3 Milliarden Tonnen Phosphor.

Ein Flugzeug von unten

Flugreisen: Wer kompensiert?

Bei einer Kurz-Umfrage auf dieser Website haben rund 3500 Personen angegeben, ob sie beim Kauf eines Flugtickets die freiwillige Kompensationsgebühr bezahlen. Das Resultat wirft eine Frage auf.