Vom Shootingstar zum Sorgenkind

Weinendes Snapchat Gespenst

Vom Shootingstar zum Sorgenkind

Das heilige Dreigestirn der Sozialen Medien – Facebook, Instagram, Snapchat – befindet sich im Sinkflug. Facebooks Nutzerzahlen sind rückläufig, im dritten Quartal diesen Jahres verlor Zuckerbergs blaues Imperium alleine in Europa 1 Million Userinnen und User. Dass es um Facebook schon besser bestellt war, sind keine «Breaking News». Was hingegen überrascht: Snapchat strauchelt ebenfalls.

Die amerikanische Snap Inc. wurde 2011 gegründet, im gleichen Jahr erschien die App Snapchat. In zwölf Finanzierungsrunden wurden mittlerweile knapp 5 Milliarden US-Dollar eingesammelt, 2016 schätzte man den Wert des Unternehmens auf 18 bis 20 Milliarden US-Dollar. Die Wachstumsraten von Nutzern und Umsatz versprachen eine goldige Zukunft. Facebook wollte Snapchat zweimal kaufen – CEO Evan Spiegel lehnte zweimal ab.

Letztes Jahr ging Snap an die Börse. Obwohl das Unternehmen bis dato noch keinen Gewinn erzielt hatte. Am ersten Tag des Börsengangs war eine Snap-Aktie 24 US-Dollar wert, heute bewegt sich der Kurs weit unter 10 US-Dollar. Der Nettoverlust der Firma beträgt noch immer 325.1 Millionen Dollar. 2019 soll Snapchat gemäss CEO Evan Spiegel schwarze Zahlen schreiben, was manche Analysten für unwahrscheinlich halten. Scott Galloway, Marketingprofessor der New York University, zweifelt sogar daran, dass Snapchat bis Ende des nächsten Jahres noch unabhängig wirtschaftet.

Die Snapchat-Nutzerzahlen sind rückläufig, seit Sommer verabschiedeten sich 5 Millionen tägliche Nutzer. Ein Redesign im Frühjahr 2018 kostete das Unternehmen binnen drei Monaten 2% seiner User. Influencer wie Kylie Jenner machten ihrem Ärger über die Änderungen öffentlich Luft. Auch mit einer Werbung sorgte Snapchat für Negativschlagzeilen: Nutzerinnen und Nutzer sollten entscheiden, ob sie eher Rihanna oder ihren Ex-Freund Chris Brown schlagen würden. Letzterer wurde für häusliche Gewalt verurteilt, da er die Sängerin angegriffen hatte.

Was Snapchat einst ausgezeichnet hatte, beispielsweise die Story-Funktion, wurde längst und erfolgreich von Instagram wie auch Facebook kopiert. Spiegels App versucht nun neue Wege einzuschlagen und mit etablierten Medien zusammenzuarbeiten. Vor zwei Jahren startete Snapchat seine Kurz-Shows, die von verschiedenen Partnern produziert wurden. Die NBC-Show «Stay Tuned» erreicht heute beispielsweise täglich 5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

Nun wurde Snapchat Originals gelaunched: 25 Mini-Serien, nur via Snapchat konsumierbar, maximal fünf Minuten lang, produziert von Medienpartnern wie VICE, Boiler Room und The Guardian. Die Serien werden mit unüberspringbaren 6-Sekunden-Werbungen gespickt. Ob die Werbeeinnahmen Snapchat nun den Kopf retten, bleibt abzuwarten. Die Negativschlagzeilen reissen jedenfalls noch nicht ab. Vor Kurzem wurde bekannt, dass Snapchat einen Influencer aufgrund mangelnder Leistungen auf 45’000 US-Dollar verklagt. Und Anfang November glaubten Snapchat-Nutzer aufgrund eines technischen Bugs, ihr Konto sei gelöscht worden.

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