Was kostet eigentlich ewiges Leben?

Collage mit einem Unendlichzeichen

Was kostet eigentlich ewiges Leben?

Wird der Menschheitstraum vom ewigen Leben bald wahr? Der Forscher Greg Fahy, der in Kalifornien das Unternehmen Intervene Immune gegründet hat, will einen grossen Schritt in diese Richtung gemacht haben: Er habe die Probanden seiner Studie um zweieinhalb Jahre verjüngt, behauptet er. Seit Fahy seine Resultate 2019 im Fachmagazin Aging Cell veröffentlicht hat und verschiedene Medien darüber berichteten, erhält er nach eigenen Aussagen eine Unmenge von Anfragen von Interessenten. 

Fahy und sein Team rücken für ihre Arbeit die Thymusdrüse, die im Brustkorb sitzt, in den Fokus. Diese ist eine zentrale Instanz in unserem Immunsystem. Die Drüse wandelt Zellen aus dem Knochenmark in so genannte T-Zellen um, die uns widerstandsfähiger gegen Bakterien, Viren oder gar Krebs machen. Werden wir älter, beginnt die Drüse jedoch zu degenerieren, unser Vorrat an T-Zellen schwindet, die Anfälligkeit für Krankheiten steigt und der Tod wird wahrscheinlicher. 

Bei älteren Menschen besteht der Thymus zunehmend nur noch aus Fettgewebe, weswegen sich Fahy das Ziel gesetzt hat, diese zu regenerieren um den Alterungsprozess zu verlangsamen. Dies soll mit einer Mischung aus drei Medikamenten erreicht werden: Mit dem Wachstumshormon HGH, der Substanz DHEA und dem Diabetesmittel Metformin.

In Fahys Studie nahmen neun männliche Probanden um die 60 ein Jahr lang diese Wirkstoffe sowie Präparate zur Milderung von Nebenwirkungen. Der doch sehr beschauliche und in Bezug auf Geschlecht und Alter auch homogene Umfang der Probanden sowie der Verzicht auf eine Kontrollgruppe sorgen für eine gewisse Skepsis in Bezug auf die Resultate der Studie. 

Fahy will nun in Folgestudien beweisen, dass sich die Effekte auch bei einem breiteren und diverseren Probandenfeld zeigen. In einem Interview mit der deutschen Zeit meinte der Forscher: «Wir planen gerade eine Studie mit deutlich mehr Probanden, mindestens 50, lieber 200. Darunter sollen auch Frauen und verschiedene Ethnizitäten sein. Außerdem wollen wir die Altersspanne erweitern.»

Was die Therapie schliesslich kosten wird, sollten weitere Studien deren Erfolgsaussichten untermauern, ist derzeit noch unklar. Alle drei Wirkstoffe sind in anderen Zusammenhängen jedoch schon länger bekannt und werden regelmässig angewandt – die Marktreife könnte also relativ zügig erreicht werden. Bestätigen sich die Resultate, hätte dies jedoch weitreichende ethische und gesellschaftliche Folgen. 

Der Ethik-Experte und Theologie-Professor Peter Dabrock warnt zum Beispiel, dass mit solchen Methode die soziale und generationale Gerechtigkeit untergraben werde. Millionen von Hungerleidenden mit einer tiefen Lebenserwartung und die Bedürfnisse und Wünsche zukünftiger Generationen würden ignoriert – während sich der wohlhabende, alte Teil der Bevölkerung ans Leben klammert. 

Dabrock meint deswegen: «Die deutliche Verlängerung der Lebensspanne würde wahnsinnig viele Probleme schaffen. Es wäre also klüger, sich nicht darauf einzulassen.»

Pool mit jungen Leuten von oben

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