Zweifel am Leitwolf

Foto einer Ein-Dollar-Note

Zweifel am Leitwolf

Amerika gilt als mächtigstes Land der Welt – das kommt nicht von ungefähr. Die amerikanische Währung, der US-Dollar, ist die wichtigste Leitwährung. Einer Leitwährung kommt innerhalb des internationalen Währungssystems eine zentrale Rolle zu.

Sie wird häufig als Transaktions- und Reservewährung genutzt. Zudem ist sie relevant beim Bestimmen der Werte anderer Währungen. Früher galten beispielsweise Kaurischnecken und das britische Pfund Sterling als Leitwährungen.

Die Poleposition des Dollars verdankt die USA unter anderem zwei historischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts. Einerseits dem Bretton-Woods-Abkommen aus dem Jahr 1944. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten sich 44 Staaten hinter dieses System, das den US-Dollar zum wichtigsten Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft machte.

Für alle übrigen Währungen wurde ein Wechselkurs zum Dollar bestimmt und der Wert des Dollars wiederum war an Gold gebunden. 35 US-Dollar entsprachen einer Unze Gold. Das zweite wichtige Ereignis erfolgte ein Jahr später, als der amerikanische Präsident Roosevelt mit dem saudischen König Ibn Saud einen Vertrag schloss. Saud handelte sein Öl ab sofort nur noch in US-Dollar, viele weitere Nationen zogen nach.

Das Bretton-Woods-Abkommen scheiterte in den 70er-Jahren, doch die Dominanz des US-Dollars im internationalen Zahlungsverkehr und auf dem Rohstoffmarkt blieb bestehen. Gemäss den Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich aus dem Jahr 2016 ist der Dollar an 88% aller Devisentransaktionen und an 63% aller Devisenreserven beteiligt. Zum Vergleich: Der Euro liegt bei 31% aller Devisentransaktionen.

Der frühere französische Staatspräsident Giscard d’Estaing sprach einst von einem «exorbitanten Privileg» hinsichtlich der Vorherrschaft des US-Dollars. Die USA geniesst es nach wie vor. Amerikanische Unternehmen beispielsweise sind nicht so anfällig für Währungsschwankungen. Auch der Staat profitiert, unter anderem mittels Staatsanleihen. US-Staatsanleihen gelten als äusserst sichere Anlagen. Dadurch sind die Renditen tief und Amerika kann sich zu günstigeren Konditionen verschulden als andere Staaten.

Ein weiterer Vorteil ist die sogenannte Seigniorage: Ein 100-Dollar-Schein kostet in der Herstellung nicht mal 15 Cent. Wird dieser Schein in einem Land ausgegeben, erhält die Amerikanerin oder der Amerikaner allerdings Waren oder Dienstleistungen im Wert von 100 US-Dollar. Dieser Gewinn aus der Geldschöpfung ist nicht zu unterschätzen, zumal 40 bis 70% des amerikanischen Bargeldes ausserhalb der USA zirkulieren sollen.

Der Leitwolf profitiert auch von politischer Macht. Der gegenwärtige amerikanische Präsident Donald Trump nutzt wirtschaftliche Sanktionen als Druckmittel und straft ebenso Drittstaaten ab, die mit einem sanktionierten Staat Geschäfte machen. Ein aktuelles Beispiel ist der Iran, den Trump mit Wirtschaftssanktionen belegt hat. Die deutsche Commerzbank etwa erhielt 2015 einen Strafzettel in der Höhe von 1.45 Milliarden US-Dollar, da sie Transaktionen im Iran und Sudan getätigt haben soll.

Dieses Verhalten wollen nicht alle Staaten hinnehmen. Russland hat im Frühjahr 69% seiner US-Staatsanleihen verkauft und sucht nach alternativen Anlagen für seine Devisenreserven, was gemäss Experten mit dem Wunsch nach mehr Dollar-Unabhängigkeit motiviert sei. Die chinesische Volksbank hat den Yuan abgeschwächt, um die Wirtschaft anzukurbeln. Denn so werden chinesische Produkte günstiger und entsprechend begehrter. Das passte Trump nicht. In einem Tweet beschuldigte er China der Manipulation. Doch trotz steigendem internationalem Druck dürfte es unwahrscheinlich sein, dass der US-Dollar seine Vorherrschaft in absehbarem Zeitraum verliert – zuviel hängt von ihm ab.

Abbildung Kriegsschiff

Führen Währungskriege zu «echtem» Krieg?

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