Jim Carreys Erfolgsgeheimnis: Visualisation

Schwarz-Weiss Fotografie von Jim Carrey im Profil

Jim Carreys Erfolgsgeheimnis: Visualisation

Jim Carrey ist jüngst mit skurrilen Auftritten aufgefallen. Vergangenen September besuchte er die Afterparty der New York Fashionweek. Auf dem roten Teppich stellte ihm eine TV-Reporterin die Frage, was er hier tue. Seine postwendende Antwort: Ich wollte den bedeutungslosesten Anlass besuchen, der in diesem Moment stattfindet.

Das ganze Interview mutet an wie eine manische Abrechnung mit dem Banalen und Oberflächlichen. Dass Carrey bewusst seine Bodenhaftung und Fassung aufgibt, um die eigene Existenz neu zu verstehen, ist nicht neu. Die aktuelle Netflix-Doku «Jim & Andy» zeigt, wie sich der Schauspieler in der Rolle des Andy Kaufmann verliert. Nach Drehschluss wusste er kaum noch, wer er vorher war.

Sein Hang zum Geistigen kann sowieso als grundlegend für seine Weltkarriere gesehen werden. Als der aus bettelarmen Verhältnissen stammende Jim Carrey mit 21 Jahren in einem schrottreifen Toyota in Hollywood ankommt, wartet niemand auf ihn. Castings enden mit Absagen, die kleinen Rollen, die er ergattert, bringen ihn nicht weiter.

Eines Abends fährt er in die Hollywood Hills, parkiert an einem Aussichtspunkt, blickt über das Lichtermeer von Los Angeles und malt sich ein gefeiertes Schauspielerleben aus. Um seine Visualisation im Alltag zu verankern, schreibt er sich einen Scheck. In zehn Jahren – so die Idee – sollte er damit zehn Millionen einlösen können.

Den Scheck mit dem Zahlungsgrund «Erbrachte schauspielerische Leistungen» trug er in seinem Portemonnaie mit sich. Jedesmal wenn er von nun an irgendwo bezahlte oder sich ausweisen musste, kam ihm der Papierschein unter die Augen und in seinem Kopf wiederholten sich die Bilder von Ruhm und Reichtum.  

Zu Beginn der 1990er-Jahre dann dreht Carrey drei Filme – in jedem spielt er die Hauptrolle. Als Ace Ventura, Dumm und Dümmer und Die Maske 1994 in die Kinos kommen, wird der Komödiant fast über Nacht zum Weltstar – und Multimillionär. Die zehn Millionen sind auf einmal Kleingeld für ihn.

Doch der Scheck behält seine symbolische Bedeutung: Als Carreys Vater stirbt – ein Mann, der sehr daran gelitten hatte, dass er seiner Familie kein besseres Leben bieten konnte – steckt er ihm den Scheck in den Leichenfrack.

 

Bild von Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow in seiner Wohnung 2010

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