Kassenschlager Latin-Music

Portrait des Reggaeton Künstlers Bad Bunny

Kassenschlager Latin-Music

Bad Bunny (Bild), J Balvin, Don Omar, Luis Fonsi und Ozuna – das sind einige der grössten Namen im Pop-Business. Sie bilden die Speerspitze eines weltweiten Erfolgszugs der so genannten Latin-Music – ein Sammelbegriff der Musikindustrie für Stile und Genres mit lateinamerikanischem Ursprung oder zumindest Einfluss. Wie das Musikmagazin Rolling Stone berichtete, hat das Genre im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von 554 Millionen US-Dollar erzielt – und damit noch einmal um satte 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugelegt. Die Zahl stammt aus dem jährlichen Bericht der Recording Industry Association of America (RIAA).

95 Prozent dieses Umsatzes stammen aus dem Geschäft mit Streaming, das massiv zulegen konnte. Wie die Verantwortlichen der RIAA betonen, ist gerade die Latino-Musik in diesem Bereich ein Trendsetter. Die HörerInnen von Reggaeton, Latin-Hip-Hop und Co. gehören damit zur Avantgarde – die Industrieverantwortlichen gehen davon aus, dass auch die anderen Genres nachziehen und Streaming endgültig marktübergreifend haushoch dominiert.

Grosse Hits wie vor einigen Jahren etwa «Despacito» von Luis Fonsi oder Bad Bunny’s «YHLQMDLG» haben sicher zur globalen Verbreitung lateinamerikanischer Pop-Musik beigetragen. Auch hierzulande sind die Songs in den Charts zumindest von lateinamerikanischen Einflüssen geprägt. Darüber hinaus wird aber auch fleissig experimentiert und innoviert. Gerade urbane Stilrichtungen wie Reggaeton durchlaufen seit einigen Jahren schon Erneuerungsschübe, die den Sound und seine Protagonistinnen verändern.

Neoperreo ist dafür ein gutes Beispiel: Die chileanische Tätowiererin und Sängerin Tomasa del Real und die spanische Künstlerin Ms. Nina bilden die Vorreiterinnen dieser Bewegung, die jenseits des Klischee-übersättigten Mainstreams eine emanzipatorische Haltung an einen Musikstil herantragen, der oft noch als machoid gilt. Sexuelle Selbstbestimmung und eine coole Attitüde, neue Einflüsse und Rhythmen: Diese Mischung aus Tabubruch und Talent verfängt inzwischen weit über eingeweihte Kreise hinaus.

Auch in der Schweiz macht sich eine neue Generation von Musiker*innen auf, Reggaeton und Co. zu erneuern und zu erweitern. Das Duo damelove zum Beispiel: Rapper Reypharaoh und Produzent Amos a la Playa verfolgen mit ihrem diese Woche erscheinenden Debüt Aguafina einen Sound, der seine Qualität in einer unterkühlten Körperlichkeit findet. damelove bringen dafür ein intuitives Gespür für die stilistischen Feinheiten mit. Zudem hat sich das Duo für einen Remix den amerikanischen Produzenten Kelman Duran ins Boot geholt, der schon länger erfolgreich an einem eigenen Zugang zu lateinamerikanisch inspirierter Musik tüftelt.

Bleibt zu hoffen, dass sich diesen Sommer noch Gelegenheiten finden werden, um zu diesen Songs zu tanzen – denn das dürfte letztlich wohl das Erfolgsgeheimnis hinter der Musik bleiben.

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