Koloniale Schätze in Schweizer Museen

Rückseite einer Gürtelmaske aus Benin, Nigeria

Koloniale Schätze in Schweizer Museen

Der Kolonialismus in den Ländern des Globalen Südens hinterlässt bis heute Spuren. Bis in die Gegenwart bestehende politische, soziale und ökonomische Ungleichheiten gehören zum Erbe einer Zeit, in der europäische Länder andere Weltregionen ausbeuteten. 

Die Kolonialherrschaft hat diesen Gegenden der Erde nicht nur Bodenschätze, Agrargüter und Menschen entzogen, sondern auch viele Kulturgegenstände. Beispielsweise schätzen Expert*innen, dass über 90 Prozent des afrikanischen Kulturerbes ausserhalb des Kontinents lagert – vielfach in den Museen und Archiven derjenigen Länder, die Kolonien in Afrika hatten.

Zwar hatte die Schweiz keine eigenen Kolonien, allerdings haben auch hier Leute, Unternehmen und Organisationen vom Kolonialismus profitiert. Wissenschaftler*innen, Söldner*innen und Missionar*innen brachten grosse Mengen an Kulturgütern in unser Land – wo sie teilweise bis heute lagern. 

Dieser Teil der Schweizer Geschichte ist noch wenig aufgearbeitet – im Gegensatz etwa zur Raubkunst aus der Zeit des deutschen Nationalsozialismus. Regierungen in Ländern mit kolonialistischer Vergangenheit wie Frankreich haben in jüngerer Zeit damit begonnen, Programme für die Rückführung von Artefakten und Gegenständen in ihre Herkunftsländer zu starten. Ähnliche Forderungen werden nun auch in der Schweiz laut. 

Anfang Jahr haben in diesem Zusammenhang verschiedene Schweizer Museen unter der Führung des Museum Rietberg die «Benin Initiative Schweiz» gestartet. Ziel des Projekts ist, herauszufinden, wie die Sammlungen mit Gegenständen aus dem Königtum Benin in Nigeria zu Stande gekommen sind. Denn oft ist unklar, wie genau diese Kulturgüter ihren Weg in die Schweiz gefunden haben. 

Fest steht jedoch, dass im Rahmen einer britischen Strafexpedition 1897 tausende Gegenstände geraubt wurden – und dass einige davon auch hier gelandet sind. Wie viele der insgesamt 90 Gegenstände, die dem Königtum zugeordnet worden sind, ist noch nicht klar. Die Initiative will diese Geschichte nicht nur aufarbeiten und damit auch das kolonialistische Unrecht anerkennen, sondern auch die Rückführung von Objekten ermöglichen, sollte dies von nigerianischer Seite gewünscht werden. 

Das Bundesamt für Kultur unterstützt die Initiative mit einem Beitrag von 100’000 Franken. Seit 2016 unterstützt der Bund zudem mit Subventionen in der Höhe von zwei Millionen Franken die sogenannte Provenienzforschung – also die wissenschaftliche Detektivarbeit, die Museen betreiben, um die Herkunft der jeweiligen Gegenstände herauszufinden. 

Es bleibt viel Arbeit: Wie viele Gegenstände kolonialer Herkunft in der Schweiz sind und welchen Wert ihnen beizumessen ist, bleibt zu klären. Über die Unrechtmässigkeit ihres Verbleibs hier und anderswo in Europa wird zudem intensiv debattiert.

Dabei muss jedoch selbst im Falle eines eigentlich rechtmässigen Erwerbs – also eines Kaufs statt eines Raubs – immer der Kontext und das Machtgefälle im Kolonialismus bedacht werden. Dafür argumentieren Felwine Sarr und Bénédict Savoy in ihrem 2019 auf Deutsch erschienen Bericht

Am französischen Beispiel zeigen sie konkret auf, wie mit Artefakten Profit gescheffelt wurde. Sie rechnen vor, wie für eine heute in einem Pariser Museum ausgestellte Maske 1931 in Mali sieben Franc bezahlt wurden. In französischen Auktionshäusern wurden diese Masken aber damals schon zu einem Marktpreis von 200 Franc gehandelt – und erzielten in der Folge Preise bis zu 2’300 Francs. Von derartigen Gewinnspannen haben die Menschen in den Herkunftsländern definitiv sehr wenig gesehen. Bisher.

Bild: Museum Rietberg

Collage mit 1000 und 5000 CFA-Franc Noten

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