Legale Fälschungen

Leute warten vor einem Supreme Store

Legale Fälschungen

Die New Yorker Modemarke Supreme avancierte in den vergangenen 25 Jahren von einem kleinen Skate-Shop in Manhattan zu einem der gefragtesten Fashion-Labels für Streetwear, dessen Wert auf eine Milliarde US Dollar geschätzt wird.

In Supremes Erfolgsrezept spielt Knappheit eine entscheidende Rolle: Das Label bietet seine Klamotten und Accessoires in limitierten Auflagen an – und das nur online und in den elf Flagshipstores des Labels. 

Wer sein Glück nicht im Netz versuchen will, wo die Stücke meistens innert Sekunden ausverkauft sind, dem bleibt nichts anderes übrig als der Gang in bzw. vor einen der Supreme-Läden in Los Angeles, Paris, London, New York, Nagoya, Osaka, Fukuoka oder Tokio.

Vor den Stores stellt man sich mit zig anderen cool kids in die Schlange – und wartet stundenlang, bis man endlich sein Supreme-Teil kriegt – oder eben nicht. Die Szenen vor den Supreme-Läden gleichen den Aufläufen im Zusammenhang mit anderen popkulturellen Phänomenen – etwa vor den Kinos bei der Veröffentlichung eines neuen Star-Wars-Streifens oder vor Apple-Stores nach Ankündigung eines neuen iPhones oder MacBooks. 

Das New Yorker Magazin Esquire nannte das Schlangestehen vor Modeläden dann auch den grössten Trend in der Fashion-Branche der vergangenen Dekade. Was aber, wenn die Knappheit plötzlich verringert wird und neue Läden aufpoppen? Und das ohne, dass das Original etwas damit zu tun gehabt hätte? 

Genau das ist 2015 in Italien geschehen. Damals registrierte die Trade Direct Srl nämlich die Marke Supreme Italia – ganz offiziell beim Ufficio Italiano Brevetti e Marchi. In der Folge produzierte Supreme Italia eine Reihe von Supreme-Produkten, wobei bei diesen legal fakes ein leicht abgeändertes Logo zum Einsatz kam.

Legal fake nennt man Initiativen wie Supreme Italia in Abgrenzung zu Fälschungen. Der Unterschied besteht darin, dass legal fakes parallel zu den eigentlichen Marken in Ländern, wo diese nicht präsent sind, ähnliche Produkte und Quasi-Kopien vertreiben. Dabei bedienen sie sich teils legalen Mitteln, wie das bei der Registrierung von Supreme Italia bei den italienischen Behörden der Fall war.

Supreme Italia eröffnete später vier Läden in Spanien und plante einen siebenstöckigen Flagshipstore in Shanghai. Der legal fake gleiste sogar eine Zusammenarbeit mit dem koreanischen Handyhersteller Samsung auf, was im Rahmen einer aufwändigen Veranstaltung angekündigt wurde. 

Dass die Leute hinter der echten Marke dies nicht lustig finden würden, war klar. Und so liess eine Klage nicht lange auf sich warten. Anfang 2018 urteilte ein Mailänder Gericht über den Fall. Die Trade Direct Srl habe «parasitären», unlauteren Wettbewerb betrieben, war der Schluss. In der Folge mussten 120’000 Supreme Italia Produkte zurückgezogen werden; zudem wurde die Trade Direct Srl dazu verurteilt, 5500 Euro an Supreme für die Auslagen vor Gericht zu bezahlen.

In welchem Umfang der Vorfall bei Supreme zu Buche schlägt, bleibt unklar. Eine italienische Anwältin und Expertin für geistiges Eigentum meint, der Fall könnte gar positive Implikationen für die echte Marke haben. Sie argumentiert, dass der Wert eines Brands den rein rechtlichen Bereich übersteigt und eng mit dem Ruf verbunden ist, den sie in der Öffentlichkeit geniesst. 

In der PR-Branche heisste es plump, es gäbe keine schlechte Publicity, was für diese Einschätzung spricht. Im Fall von Supreme könnte sich die Behauptung tatsächlich bestätigen, denn der Buzz um die Marke hat mit dem Vorfall bestimmt nicht abgenommen.

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