Lügen soll schwieriger werden

Ein Mann liest Zeitung

Lügen soll schwieriger werden

Mit 2,5 Millionen Euro aus dem europäischen Förderprogramm «Connecting Europe Facility» ausgestattet, ist EDMO Anfang Juni gestartet. Das europäische Observatorium für digitale Medien widmet sich vor allem einem Phänomen: Desinformation

Das Verbreiten von falschen Informationen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, ist gerade in den letzten Jahren zu einem immer grösseren Problem geworden. Sowohl staatliche wie auch nicht-staatliche Akteure haben auf sozialen Netzwerken massiv Meldungen verbreitet, die nicht der Wahrheit entsprechen.

Nicht erst seit der Corona-Krise bereitet der Trend den Behörden grosse Sorgen. Jüngst haben nun auch Twitter und Facebook zu reagieren begonnen – reichlich spät, wie selbst Facebook-Chef Mark Zuckerberg einräumen musste. 

Whistleblower machten zuvor bekannt, dass gerade Facebook-Fake-Accounts lange ignoriert wurden und sogar Regierungen und Regierungsmitglieder, die damit Wahlen beeinflussten, nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Gerade Länder in Regionen ausserhalb der USA und Europas seien nicht im Fokus des Sozialen Netzwerks.

Mit der Zunahme an Desinformation während der Pandemie wurde dieses Jahr nun auch die europäische Union verstärkt aktiv. Sie wurde von den Staats- und Regierungschefs im März 2020 dazu aufgefordert, entschiedener gegen das Problem vorzugehen. 

Desinformation in Zeiten der Coronavirus-Pandemie könne töten, erklärte der Vizepräsident der europäischen Kommission Joseph Borell, anlässlich der Veröffentlichung eines entsprechenden Berichts im Sommer dieses Jahres. 

«Wir haben die Pflicht, unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen, indem wir sie auf falsche Informationen aufmerksam machen und die für solche Praktiken verantwortlichen Akteure aufdecken», so Borell weiter. Explizit als Urheber von falschen Informationen genannt, werden im Bericht etwa Russland und China.

Im Rahmen dieser Anstrengungen wurde nun auch das EDMO gegründet und von der EU mitfinanziert. Das Projekt wird vom Athener Technologiezentrum (Griechenland), von der Universität Aarhus (Dänemark) und der Organisation Pagella Politica (Italien) geführt.

Es soll helfen, die für Desinformation verantwortlichen Akteure und ihre Werkzeuge und Methoden zu kennen; ihre Ziele zu analysieren und die Auswirkungen ihrer Machenschaften auf die Gesellschaft zu verstehen.

EDMO soll die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Online-Desinformation erweitern, aber auch die Entwicklung eines EU-Marktes für Dienste zur Faktenprüfung vorantreiben. Die Behörden sollen damit Grundlagen erhalten, um digitale Medien besser zu überwachen und neue politische Strategien zu entwickeln.

«Desinformation wird zunehmend zu einer Bedrohung für unsere demokratischen Gesellschaften, und wir müssen sie bekämpfen. Dabei werden wir die europäischen Werte und Grundrechte, einschliesslich der Meinungs- und Informationsfreiheit, verteidigen» sagte die für Werte und Transparenz zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Věra Jourová, zum Start von EDMO. 

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