«Made in China» fällt aus der Mode

Grosse Containershiffe im Hafen

«Made in China» fällt aus der Mode

China hat seit Jahrzehnten die Nase vorn, wenn es um Stoff- und Kleiderproduktion geht. Unzählige Hersteller lassen in China produzieren. In erster Linie, weil nähere Produktionsstätten aufgrund höherer Löhne nicht lukrativ sind. Doch es zeichnet sich eine Kehrtwende ab. 2015 lag Chinas Marktanteil in der Textil- und Bekleidungsindustrie bei 38.6 Prozent, nur ein Jahr später knapp drei Prozentpunkte tiefer.

Der sogenannte «Nearshoring»-Trend gräbt China Marktanteile ab. Das heisst: Hersteller produzieren wieder näher an ihren Ursprungsländern. Ein wichtiger Grund dafür sind die steigenden Lohnkosten in China. Ein anderes Motiv findet sich in unserer derzeitigen Konsumkultur. Kleidungstrends lösen sich immer schneller ab und Konsumenten wollen schneller kaufen. Wir bewegen uns von Fast Fashion zu Ultra-Fast Fashion.

Gemäss einem Report von McKinsey wird die Geschwindigkeit  – hinsichtlich Lieferfristen sowie überhaupt der Möglichkeit, während einer laufenden Modesaison agil auf Trends zu reagieren – künftig über Erfolg oder Misserfolg eines Herstellers mitentscheiden. Brands können sich eine 30-tägige Lieferfrist wie für Produkte aus China nicht mehr leisten. Eine Lieferung aus der Türkei beispielsweise dauert drei bis sechs Tage und die Löhne sind nur 1.6mal höher als in China.

Das erhöhte Konsumentenbewusstsein spricht ebenfalls für Nearshoring. Mehr als zwei Drittel der für McKinsey-Report befragten Experten aus der Textil- und Bekleidungsindustrie gehen davon aus, dass im Jahr 2025 Nachhaltigkeit der wichtigste Entscheidungsfaktor bei einem Kauf sein wird. Das wäre wünschenswert, schaut man sich die Zahlen an: Laut dem Copenhagen Fashion Summit produziert die Textil- und Kleidungsindustrie mehr Treibhausgase als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

Nebst Nearshoring werden gemäss McKinsey automatisierte Produktionsmodelle für Fashion-Brands entscheidend sein, um einen sinnvollen Wirtschaftskreislauf zu generieren. Die Relevanz geschlossener Kreisläufe ist auch der Ellen MacArthur Foundation ein Anliegen. Die englische Stiftung hat die «Make Fashion Circular»-Initiative lanciert, zu der sich anderem Nike, Gap und H&M bekennen. Gerade H&M hat dringenden Handlungsbedarf. Im ersten Quartal 2018 stapelten sich beim Hersteller unverkaufte Kleider im Wert von 4 Milliarden US-Dollar.

Ich achte mich beim Kleiderkauf auf Nachhaltigkeit:

Choices
Nahaufnahme von Stoffen mit Muster

Kleiderschrank voller Geld

Heute ist der Titel im übertragenen Sinn zu verstehen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts durfte man ihn mancherorts wortwörtlich interpretieren, denn Stoffe funktionierten wie ein Zahlungsmittel.