Milliardenschwerer Dampf

Foto eines Mannes im E-Zigaretten Qualm

Milliardenschwerer Dampf

Die Zahl der Raucherinnen und Raucher ist tendenziell rückläufig. In Amerika beispielsweise greifen fast 70% weniger Leute regelmässig zum Glimmstengel als noch vor 50 Jahren. Die neueste Herausforderung der Tabakindustrie kommt aus den eigenen Rängen: elektronische Zigaretten.

Sie verbrennen keinen Tabak, sondern erhitzen eine nikotinhaltige Flüssigkeit. Bloomberg schätzt, dass sogenannte Vaping-Produkte die traditionellen Tabakprodukte bis 2047 überholt haben. 2017 war der E-Zigaretten-Markt 14 Milliarden US-Dollar wert, 2022 soll er bereits 27 Milliarden erreichen.

Ein grosses Stück dieses lukrativen Kuchens schneidet sich derzeit JUUL ab. Die E-Zigarette enterte 2015 den amerikanischen Vaping-Markt, beansprucht dort bereits über 70% für sich und expandiert gerade in weitere Länder.

Das Unternehmen zählte in den USA vergangenes Jahr zu den Abräumern hinsichtlich Kapitalbeschaffung und beschäftigt mittlerweile über 1500 Personen. Zuletzt beteiligte sich Altria, die Firma hinter Marlboro, mit 13 Milliarden US-Dollar am Start-up. Damit ist JUUL nun 38 Milliarden US-Dollar wert.

Adam Bowen und James Monsees, die JUUL-Erfinder, wollten ein Produkt auf den Markt bringen, das Menschen von klassischen Zigaretten wegbringt. Es wird angenommen, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind, da kein Tabak verbrannt wird.

Allerdings gibt es noch keine Langzeitstudien. Zudem enthalten JUUL-Patronen gleich viel Nikotin wie ein Päckchen Zigaretten. «Juulen» – wie der Konsum dieser E-Zigarette genannt wird – macht also in gleichem Umfang abhängig.

Raucher von Zigaretten zu E-Zigaretten zu bringen, war das erklärte Ziel der Erfinder. Doch es zeigt sich eine Entwicklung, die Bowen und Monsees ihren Äusserungen nach nicht beabsichtigt hatten: Menschen, die nie geraucht haben, beginnen zu juulen. Und wesentlich heikler: Sie sind häufig minderjährig. Der Verkauf von JUUL an Minderjährige sei unethisch und nie das Ziel der Firma gewesen, wehrte sich Monsees in einem Interview.

Die amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel FDA ist deshalb seit längerem alarmiert. Das Design, die Flüssigkeitsformel sowie die Produktnamen wie «Cool Cucumber» sollen JUUL für junge Konsumenten besonders attraktiv machen. Ebenfalls im Verruf ist JUULs früheres Marketing, das sehr jugendlich daherkam. Mittlerweile bedient die Firma nur noch Twitter und LinkedIn, auf Instagram und Facebook sucht man JUUL vergebens.

Als Antwort auf den öffentlichen Druck hat JUUL zudem versprochen, 30 Millionen US-Dollar in Forschung und Prävention zu investieren. Des Weiteren ist ein neues Produkt geplant, das mit dem Smartphone verbunden wird, um das Alter der Konsumenten zu verifizieren. Ebenfalls will JUUL eine TV-Kampagne für 10 Millionen US-Dollar starten, um explizit erwachsene Raucher anzusprechen.

Ich rauche

herkömmliche Zigaretten
24%
E-Zigaretten
29%
gar nicht
48%
Bild einer Potlatch mit Tänzern und Sängern

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