Nach dem Hype: Gibt es eine Zukunft für NFTs?

Szene aus Decentraland, dem virtuellen Spiel auf der gleichnamigen Plattform

Nach dem Hype: Gibt es eine Zukunft für NFTs?

Während des Lockdowns im Winter dieses Jahres entwickelte sich ein waschechter Hype um Non-Fungible Tokens. Damals ging ein Video von Basketball-Superstar LeBron James für 100’000 US Dollar über den digitalen Ladentisch, der Meme-Klassiker «Nyan Cat» wurde für mehr als eine halbe Million US Dollar verkauft und das Auktionshaus Christie’s vertickte eine Arbeit des Digital-Künstlers Beeple für – Achtung! – 69,3 Millionen US Dollar. Abgewickelt wurden diese Transaktionen alle mit NFTs auf der Blockchain. 

Für jene, die schon nicht mehr so genau wissen, wie NFTs funktionieren: Auf der Blockchain sind verschiedene Kryptowährungen im Umlauf – allen voran der Bitcoin. Davon gibt es eine bestimmte Anzahl von Einheiten. Und diese Einheiten sind nicht einzigartig – so wie ein Franken oder ein Dollar nicht einzigartig ist. Im Gegensatz dazu gibt es jeden NFT nur ein einziges Mal. Damit lässt sich Besitz im Internet dokumentieren. Dazu kommt, dass NFTs in einem öffentlich zugänglichen Protokoll registriert sind, wo Bedingungen für allfällige Transaktionen in der Zukunft hinterlegt werden können.

Mittlerweile sind NFTs im Wert von 14,3 Milliarden US Dollar im Umlauf. Im nächsten Jahr soll sich dieser Wert verdoppeln und 2025 sollen es gar 80 Milliarden US Dollar werden. So viel Schotter für ein paar Sport-Clips, lustige GIFs und digitale Kunst? Nicht ganz. Mittlerweile gibt es einige Anwendungen darüber hinaus. Denn es hat sich gezeigt, dass NFTs durchaus praktisch sein können.

Ihre beiden Qualitäten – die Einzigartigkeit und die Möglichkeit, Informationen für die Zukunft einer virtuellen Sache anzuheften – machen die Tokens für andere Anwendungsbereiche interessant. So hat sich der Umsatz mit Kunst-fernen Anwendungen auf etwas über 150 Millionen US Dollar pro Monat halten können, während der Umsatz mit virtuellen Kunstwerken eingebrochen ist – von über 200 Millionen US Dollar im März 2021 auf knapp 20 Millionen im Juni 2021.

Was aber lässt sich praktisches mit NFTs anstellen? Fundraising in der Wissenschaft beispielsweise. So hat die University of California, Berkeley 50 000 US Dollar aufgetrieben, indem sie ein NFT von Dokumenten mit wissenschaftlichen Inhalten verkaufte. Und nicht irgendwelche Inhalte! Es handelte sich um interne Formulare und Korrespondenz, welche die ersten Forschungsergebnisse dokumentieren, die zu zwei der wichtigsten biomedizinischen Errungenschaften des 21. Jahrhunderts führten und mit Nobelpreisen ausgezeichnet wurden.

Innovationsgeist bewies auch San Marino. Der Zwergstaat im Zentrum Italiens nutzt die Tokens als digitales Covid-Impfbüchlein. Mit diesem portablen Zertifikat, entwickelt in Zusammenarbeit mit der Blockchain-Plattform VeChain, können sich die Bewohner*innen San Marinos schon seit Juli dieses Jahres frei bewegen. Damit untermauerte der Kleinstaat seine Pionierstellung in Sachen Blockchain-Lösungen.

Schliesslich: Mit NFTs kann man auch Grundstücke kaufen. Virtuelle Grundstücke, versteht sich. Die Blockchain-Plattform Decentraland baut gerade Genesis City, eine virtuelle Stadt in der Grösse der amerikanischen Hauptstadt Washington – mit Hotels, Gaming-Arkaden, Erholungszonen und Casinos. Wird der Kauf eines digitalen Eigenheims mit Mark Zuckerbergs Lancierung von Meta auch ein Thema für die breite Masse? Das bleibt abzuwarten. 

Nyan Cat - Die Regenbogen-Katze

Kunst auf der Blockchain

Warum jemand über eine halbe Million US Dollar für ein GIF ausgibt. Oder: Wie Non-Fungible Tokens Künstler*innen und Promis erlauben, im Netz Geld zu machen.