Netflix: Content und Kurs

Szene aus der Netflix Serie «Squid Game»

Netflix: Content und Kurs

900 Millionen Dollar wert soll sie wert sein, die neuste Hit-Serie des Streaming-Giganten Netflix. 111 Millionen Zuschauer*innen erreichte sie innerhalb von nur knapp einem Monat. In Squid Game rekrutiert eine mysteriöse Organisation verschuldete Menschen für eine Reihe von Kinderspielen – wobei diese äusserst brutal zum Tod der meisten verzweifelten Teilnehmer*innen führt.

Gerade diese verstörenden Inhalte schrecken Schulen und Kindertagesstätten in Deutschland, England und in den USA auf: Nachdem Kinder auf den Plätzen die Serie nachspielen oder sich für Halloween in Kostüme hüllen, die ihre Figuren darstellen, fordern Pädagog*innen und Kita-Verantwortliche Eltern dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Die Serie mit einer Altersfreigabe von 16 Jahren solle nicht von ihren Zöglingen geschaut werden – die Kinder könnten den von ihr gezeigten, gnadenlosen Konkurrenzkampf nicht verarbeiten. US-Schulen im Bundesstaat New York haben ihren Schüler*innen verboten, für den letzten Schultag vor Halloween die Squid Game Kostüme zu tragen.  

Dessen ungeachtet: Nicht zuletzt dank dem brutalen Hit aus Südkorea konnte Netflix einen Traumgewinn vorweisen. Die Plattform steigerte den Nettogewinn um satte 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr: 1,45 Milliarden Dollar waren es bis Ende September. Davon profitiert hat auch die Netflix-Aktie, die einen Kursgewinn von 20 Prozent verzeichnete.

Die problematischen Auswirkungen auf ganz junge Zuschauer*innen scheinen diesem Erfolgszug bisher nichts anhaben zu können – genauso wenig wie eine weitere Kontroverse. Innerhalb des Konzern selbst und in der Öffentlichkeit wurde US-Komiker Dave Chapelle dafür kritisiert, einmal mehr die Transgender-Community in seiner Show lächerlich zu machen und überkommene Geschlechtervorstellungen zu transportieren. Netflix-Mitarbeitende hatten vor dem Netflix-Sitz in Los Angeles gegen die Show protestiert – bisher ohne Erfolg.

Bereits munkeln erste Stimmen, dass hinter der glänzenden Oberfläche des Konzerns derzeit grössere Konflikte brodeln. Im Streaming-Markt legen zudem Netflix’ Konkurrent*innen wie Disney+ zu: Laut einer Umfrage des deutschen Portals verzeichnet das Unternehmen in unserem Nachbarland nach dem ersten Quartal 2021 inzwischen einen Marktanteil von 16 Prozent. Und auch diese Mitstreiter*innen setzen primär auf eigenen, möglichst attraktiven Content um ihre Nutzer*innenzahlen zu steigern und damit die Gewinne: Amazon etwa will demnächst mit der Fantasy-Serie Das Rad der Zeit an die Erfolge des von HBO produzierten Welthits Game of Thrones anknüpfen.

Foto einer jungen Frau in der Dunkelheit am Laptop

Der Streaming-Krieg läuft heiss

Für den Streaming-Giganten Netflix wird es ungemütlich: Die Konkurrenten des Marktführers lancieren neue Angebote, die dem Spitzenreiter gefährlich werden könnten.