Ohne Abfall leben: Zero Waste

Diverse Spender in einem Zero-Waste Laden

Ohne Abfall leben: Zero Waste

Recycling ist noch vor der grünen Welle im Mainstream angekommen. Anders als vor wenigen Jahren schmeisst heute kaum einer mehr Batterien oder Aluminium in den Abfall. Nicht zuletzt aufwändige Kampagnen haben diesen Sinneswandel forciert und sorgen dafür, dass der Trend anhält. 

Swiss Recycling, ein privat finanzierter Verein, dem verschiedene Recycling-Initiativen wie etwa Inobat oder Igora angehören, hat jüngst eine solche Kampagne lanciert: Unter dem Motto «Bünzli retten die Welt» gab es Anfang 2020 eine flächendeckende Plakatkampagne und dazugehörige Videoclips in den sozialen Medien, eine Landingpage, eine App, ja gar ein eigener Song wurde aufgenommen. 

Auch die gebührenpflichtigen Abfallsäcke, die fast schweizweit eingesetzt werden, tragen dazu bei, dass Müll in der Schweiz getrennt wird. Dabei kommt das Verursacherprinzip zur Anwendung: Dem schweizerischen Umweltschutzgesetz entsprechend dürfen nämlich nur 30% der Entsorgungskosten mit Steuergeldern bezahlt werden. Somit werden Anreize geschaffen, Abfall zu vermeiden. 

Beispielsweise kann ein Berner 3-Personenhaushalt, der in einer 4-Zimmerwohnung logiert, gemäss der Preisüberwachung des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung jährlich bis zu 275 Franken sparen. Vorausgesetzt, dessen Bewohner*innen sind fleissige Recycler*innen.

Trotz den grossangelegten Kampagnen und den finanziellen Anreizen bezüglich Recycling entsteht in vielen Haushalten einiges an Abfall. Gemäss Greenpeace verursacht in der Schweiz jede Person 700 Kilo Kehricht. Nur Dänemark, Norwegen, die USA und Neuseeland produzieren noch mehr.

Den dabei entstehenden Müllbergen den Kampf angesagt haben die Leute, die der Zero Waste-Bewegung angehören. Ziel dieses Movements ist es, gar keinen Abfall zu hinterlassen, indem der Konsum drastisch reduziert und stattdessen auf Reparaturen und Wiederverwendung gesetzt wird, und mit Kompostierung und Recycling Abfall weitestgehend vermieden wird. 

Im englischsprachigen Raum, wo die Bewegung losgetreten wurde, ist oft die Rede von den fünf Rs: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle, Rot. Das heisst konkret? 

Hiesige Ableger der Bewegung setzen auf den Einkauf auf dem Markt oder in sogenannten Unverpackt-Läden, da Schweizer Grossverteiler Lebensmittel fast ausschliesslich in Plastikverpackungen verkaufen. Diese Shops bieten neben Früchten und Gemüse oft auch Getreide und andere Produkte im Offenverkauf an. Eine Übersicht mit Unverpackt-Läden, die in der ganzen Schweiz aufpoppen, hat der Verein unverpackt schweiz zusammengestellt.

Ganz abfallfrei leben lässt es sich aber kaum. Das zeigt etwa das Beispiel von Franziska Rosenbaum. Mittlerweile produziert die ehemalige Botschafterin von Zero Waste Switzerland in der Region Ostschweiz gerade noch 500 Gramm pro Monat – wo sie doch früher wöchentlich einen 17 Liter-Müllsack vor die Haustür gestellt hatte. 

Schwierig würde die Vermeidung von Abfall, so die Ostschweizerin, in Situationen, die nicht geplant werden können oder in der Freizeit – etwa beim Sport. Tageslinsen, um die sie nicht herumkomme, sind einzeln verpackt und entsprechend verantwortlich für einen Grossteil ihres Mülls. Auch plastifizierte Eintrittstickets in Skigebieten oder einzeln abgepackte Energieriegel für unterwegs sind für sie unvermeidbar. Ihr gehe es aber nicht darum, perfekt zu sein, sondern das Bestmögliche zu machen.

Wer nun seinen eigenen Abfallberg reduzieren will, dem sei das Zero-Waste-Poster von Greenpeace empfohlen. Dieses enthält 18 Tipps zur Müllreduktion und kann gegen Abgabe der Kontaktdaten online bestellt werden.

Bild von Plastikmüll unterwasser

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