Pandas, unnütze Faultiere?!

Foto eines Bambus verzehrenden Panda. Blätterreste liegen auf seinem Bauch.

Pandas, unnütze Faultiere?!

Obwohl diese Faulenzer eigentlich nichts bieten können, erhalten sie durch ihr Äusseres doch sehr viel Aufmerksamkeit. Auch ihre mittelmässigen Kletterkünste sind eher Anlass zu Gelächter als Bewunderung. Denkt man an den finanziellen Aufwand, der betrieben wird, damit die schwarz-weissen Wollknäuel nicht aussterben, muss man sich schon zwischendurch am Kopf kratzen, oder?

Hier ist ein ergänzendes Video von einer externen Quelle eingebettet.

Panda-Bären verbringen pro Tag rund zehn bis 16 Stunden nur mit der Nahrungsaufnahme. Ihre Hauptnahrungsquelle ist Bambus und davon fressen sie reichlich. Weil es einerseits sehr nährstoffarm ist und sie es andererseits nicht optimal verdauen können, müssen sie tagtäglich zehn bis 40 Kilogramm Bambus fressen, um ihren Bedarf zu decken.

Ihre Faulheit ist evolutionsbedingt. Und eigentlich gelten sie sogar als scheintod, so wenig Energie wie sie täglich verbrauchen. Des weiteren sind sie sehr fortpflanzungsfaul, was es nicht gerade einfacher macht, ihre Spezies zu retten. Trotzdem wird alles unternommen, um es doch zu tun. Dank dem immensen Aufwand Chinas konnte ihr Status 2016 von «vom aussterben bedroht» auf «gefährdet» gesetzt werden.

Warum sollte man aber eine Art, deren Überleben sich so aufwändig gestaltet, mit dermassen viel finanziellen und zeitlichen Mitteln unterstützen? Anscheinend gibt es gute Gründe: Laut einer neuen Studie haben nämlich nicht nur die Pandas vom unternommenen Aufwand profitiert, sondern das ganze Ökosystem um sie herum. So konnten sich auch die Bestände von anderen bedrohten Arten wie Goldstumpfnasen, Takine, Chinesische Moschustiere und Kragenbären erholen.

Als die chinesische Regierung Agrarland wieder zu Wäldern aufforstete und teilweise das Roden stoppte, hatten sie eigentlich nur die Rettung des für China so wichtigen Pandas – sie sind ein wunderbares Instrument der Aussenpolitik – im Sinn. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen realisierten erst später, dass das Konzentrieren auf ein einziges Tier auch für andere Tierarten lohnenswert sein kann: 32’000 Quadratkilometer geretteter Wald steigerte die Biodiversität auch ausserhalb der Panda-Reservate.

So kam die Idee, den entstandenen Dominoeffekt auch mit anderen kultigen Tierarten zu kombinieren. Laut dem wissenschaftlichen Team sei es immer einfacher, sich öffentlich für Tiger, Pandas oder Elefanten einzusetzen und für finanzielle Mittel zu fragen als beispielsweise für Regenwürmer – egal wie wichtig diese für das Ökosystem sind. Tritt der Regenschirm-Effekt ein, können viele andere davon profitieren: Eine klassische Win-Win-Situation.

Foto des Global Seed Vault auf der Insel Spitzbergen

Eine Arche Noah für Pflanzen

Falls alle Stricke reissen: Anstatt zwei sind es 500, anstatt Tiere sind es Pflanzen und anstatt auf einer Arche befinden sie sich in einem Bunker auf der norwegischen Insel Spitzbergen: Samen, um die Welt zu retten.