Patreon als Vollzeitjob: Modellbauer Martin Kovac

Einige Modellpanzer von Martin Kovac

Patreon als Vollzeitjob: Modellbauer Martin Kovac

«Mein Name ist Martin; ich bin vor Kurzem 30 Jahre alt geworden. Seit ich zwölf bin, baue ich Modelle. Zuerst waren es Schiffe, Flugzeuge, Autos und Lastwagen. Irgendwann begann ich, mich auf Panzer zu fokussieren; im Massstab 1:35. Ich lebe in einem kleinen Dorf im Westen der Slowakei und meine Umgebung, die ich leidenschaftlich gerne mit meinem Mountainbike erkunde, liefert mir viel Inspiration. Die der Witterung ausgesetzten Schotterwege, das hohe Gras, durchwachsene Bahnschienen, alte Gebäude – vieles davon fotografiere ich und nutze es als Inspiration für den Bau von Dioramen und Displays für meine Modelle.

Wenn Leute mich fragen, was ich beruflich mache, sage ich immer: «Den niedrigsten, am meisten verachteten Job in unserer Gesellschaft – ich bin ein YouTuber!» Ich verdiene tatsächlich mein Geld mit Werbeeinnahmen auf YouTube und mit den Beiträgen, die meine «Patreons» mir monatlich zahlen – also diejenigen Leute, die mich mit einem Abo auf Patreon unterstützen. Die allermeisten davon bauen selbst Modelle und holen sich bei mir Inspiration. Mein Arbeitsalltag besteht also darin, dass ich den Grossteil der Woche mit dem Bau und dem Filmen beschäftigt bin und meine Prozesse für die Community dokumentiere. Ein bis zwei Tage gehen dann für das Editieren der Videos und die Narration drauf.

Vor YouTube und Patreon habe ich Artikel über meine Arbeiten in Modellbaumagazinen veröffentlicht. Irgendwann begann ich, nach anderen Möglichkeiten und Medien Ausschau zu halten, um meine Modelle und die Art und Weise, wie ich sie baue und bemale, vorstellen zu können. YouTube-Videos waren eine naheliegende Wahl, insbesondere weil ich dafür auch nicht viel zusätzliche Geräte anschaffen musste. Ich lieh mir ein gutes Mikrofon von einem Freund und hab angefangen – ohne ein festes Ziel vor Augen. Inzwischen lade ich jede Woche ein neues Video hoch und habe etwas über 150 000 Abonnent*innen. 

Mir ist meine Unabhängigkeit und Authentizität sehr wichtig. Ich habe deshalb keine Sponsoren und ich mache auch keine Auftragsarbeiten. Es gibt zwar gewisse Brands, die mich auf Patreon unterstützen und ich erhalte immer mal wieder Gratisware. Aber: Ich nutze nur, was ich gut finde. Meinem Publikum gegenüber ehrlich zu bleiben, ist mir superwichtig!

Ich achte auch darauf, dass ich die Community, die mich unterstützt, aktiv pflege. Ich liefere fast täglich Updates von meiner Werkbank über die Projekte, an denen ich bin, gebe ihr Zugang zu hochaufgelösten Bildern und beantworte viele Fragen. Ich glaube, es ist ein Vorteil, dass ich sehr spezifischen Content produziere. Zwar interessiert sich keine breite Öffentlichkeit dafür, wie man Rost an einem Panzer Auspuff realistisch darstellen kann. Aber die Modellbauer*innen, die interessiert das eben durchaus.

Ich weiss darüber hinaus aber ehrlich gesagt nicht, warum es so gut klappt und ich auf Patreon und YouTube so viele Leute erreiche. Ich glaube immer noch, dass ich vor allem Glück hatte. Man sagt, dass jeder erfolgreiche YouTube-Kanal ein, zwei Videos hatte, die ein Publikum fanden und die den Kanal vorwärts gebracht hatten. Bei mir war es eines meiner ersten Videos, das innerhalb einer Woche über 100 000 Views gebracht hat – und aus meinen 2000 Abonnent*innen wurden 20 000!

Am Anfang hatte ich ziemlich Schiss und musste einige Hemmungen überwinden. Eigentlich bin ich nämlich eher der introvertierte Typ. Ich hatte acht Videos fertig editiert und hätte sie fast weggeschmissen – einfach, weil sich vieles zunächst unnatürlich angefühlt hat und ich mich schämte. Ich habe zum Beispiel extra leise gesprochen, einfach weil ich den Klang meiner Stimme in der Aufnahme so komisch fand. Aber inzwischen habe ich mich dran gewöhnt – und auch mein Englisch ist viel besser geworden, weil ich es so oft nutze.

Ich weiss nicht, wie sich das Ganze weiterentwickeln wird – ich mach eigentlich selten Pläne und bin eher ein Chaot. Ich beschränke mich darauf, jedes Projekt zu planen – und selbst da kommt es oft vor, dass dann doch alles ganz anders rauskommt. Ich nehme mir auf jeden Fall immer wieder vor, effizienter zu werden und vor allem auch nicht auszubrennen. Denn ganz ehrlich: Vollzeit-YouTuber zu sein, ist eigentlich wie jeder andere 0815-Job und oft würde man lieber etwas anderes machen – mit dem Mountainbike unterwegs sein, zum Beispiel.»

Collage mit Smartphone, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas, Zehnernote

Was kostet eigentlich ein Influencer?

Das muss ein prächtiges Leben sein: Auf Social Media schöne Dinge präsentieren und damit Geld verdienen. Natürlich profitieren Auftraggeber ebenfalls von Influencer-Posts. Nur wie eigentlich und was kostet das?