Perfekte Nägel dank einem Roboter 

Eine Maschine am Fingernagel lackieren

Perfekte Nägel dank einem Roboter 

Mitten in der Pandemie kratzte der Umsatz für die Pflege von Fingernägel an der 10-Milliarden-US-Dollar-Marke. 9.9 Milliarden sollen es weltweit gewesen sein. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange: Bis ins Jahr 2027 soll der globale Markt nochmals um mehr als 10% wachsen. Expert*innen rechnen mit einem Anstieg auf 11.6 Milliarden US Dollar Umsatz pro Jahr. 

Sich positiv auf die Prognose auswirken dürfte sich die Tatsache, dass bald auch Maschinen im Markt mitmischen werden. Verschiedene Unternehmen tüfteln seit einigen Jahren an Lösungen herum, bei denen künstliche Intelligenz, Machine Learning und Robotik zum Einsatz kommen. In Apparaten, die etwa die Grösse einer professionellen Kaffeemaschine haben, werden die Finger der Nutzer*innen gescannt; eine Software erkennt dann, was Nagel ist und was nicht, und in der Folge lackiert ein kleiner Roboter-Arm die Fingernägel. 

Bei den Anbietern handelt es sich nicht etwa um krude Tüftler*innen, sondern um bestens vernetzte Tech-Unternehmen. So führte Clockwork – eines dieser Unternehmen – 2019 einen Pilot mit Mitarbeiter*innen von Dropbox durch. Die Firmengründer*innen Renuka Apte und Aaron Feldstein haben sich auch da kennengelernt: Zwischen 2015 und 2017 arbeiteten die beiden für den Branchenprimus in Sachen Cloud-Lösungen. 

Nicht nur die Firmengründer*innen von Clockwork haben Verbindungen in die Deep-Tech-Branche, auch einige der Investor*innen: So haben etwa Leute wie Reddit-Gründer Alexis Ohanian oder die CEOs von Built Robotics oder Diligent Robotics in das Unternehmen mit Sitz in San Francisco investiert. Aber auch in der Beauty-Industrie findet das Start-up Interessent*innen. Ein bekennender Clockwork-Fan soll Liz Whitman sein, die mit Manicube ihr eigenes Manikür-Imperium aufgebaut hat.

Das Angebot von Clockwork scheint auch Nutzer*innen und Fachpresse zu überzeugen. Nicht nur ist der Service mit 7.99 US Dollar relativ günstig (zumindest noch während den Pilotphasen), auch sind Nutzer*innen von der Genauigkeit beeindruckt. Und dass einem niemand gegenübersitzt, mag in Zeiten einer Pandemie ein willkommener Nebeneffekt sein. Zudem – und das dürfte für das Umfeld der Nutzer*innen von Interesse sein – sind die Roboter blitzschnell. Die Tage der Ausrede «Ich musste noch meine Nägel lackieren» sind also gezählt. Die Abfertigungsdauer dürfte dann auch ein schlagendes Argument für die Investor*innen sein: Der potenzielle Umsatz pro Zeiteinheit wird dank den Robotern um ein Vielfaches gesteigert. 

Ob herkömmliche Nagelstudios aufgrund dieser disruptiven Innovation obsolet werden, wird sich zeigen. Clockwork-Gründerin Apte sagt, dass sie mit ihrem Unternehmen Nagelstudios nicht vom Markt drängen wolle. Viel eher soll ihr Angebot jenes von den Studios komplementieren. Will mensch den ausführlichen Service in entspannender Atmosphäre, dann sei weiterhin der Salon die erste Wahl. Muss es aber schnell gehen, dann darf’s auch mal Clockwork sein.

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