Reddit kommt näher

Das Reddit Logo

Reddit kommt näher

Auch schon stundenlang durch irgendwelche Kommentar-Threads gescrollt? Oder sehnlichst darauf gewartet, bis US-Präsident Obama wieder Red und Antwort steht und auf jede noch so absurde Frage eine Punchline abzuliefern weiss? Oder nach Meinungen und Informationen zu Themen gesucht, von deren Existenz in deinem Umfeld ausser dir niemand nicht mal Kenntnis hat? Dann bist du wohl mit Reddit vertraut.

Das Online-Forum ist eine der reichweitenstärksten Internetseiten der Welt und bezeichnet sich selbst – nicht grad ein humblebrag – als «Startseite des Internets». Lanciert wurde die Plattform im Juni 2005 von Steve Huffman und Alexis Ohanian. Ein gutes Jahr später wurde das Unternehmen für 20 Millionen US Dollar an den Condé-Nast-Verlag verkauft. Damals verzeichnete Reddit bereits 14 Millionen monatliche Pageviews. Heute sind es 52 Millionen aktive User*innen, die sich täglich auf der Seite aufhalten. Und der Wert des Unternehmens soll mittlerweile ganze 10 Milliarden US Dollar betragen.

Wie aber funktioniert Reddit? Registrierte Benutzer*innen können Unterseiten, so genannten Subreddits, folgen oder neu erstellen und darauf Inhalte veröffentlichen – Links, Videos, Bilder, Fragen, you name it. In der Folge bewerten andere User*innen den Beitrag positiv oder negativ – up- bzw. downvoting heisst das dann. Je mehr Reaktionen ein Beitrag einheimst, desto relevanter wird er und somit steigen die Chancen, dass er auf dem Subreddit – oder gar der Startseite – prominenter erscheint. 

Das Unternehmen brüstet sich damit, dass ausser den User*innen-Bewertungen und der Aktualität nichts anderes den Feed beeinflusst. Damit unterscheidet sich Reddit von anderen Online-Plattformen wie Instagram, Twitter, Facebook etc., wo die Feeds von den mysteriösen – und profit-getriebenen – Algorithmen gelenkt werden. Firmengründer Huffman, der aktuell wieder als Geschäftsführer amtet, erzählte jüngst in einem Interview: «Was erfolgreich ist, bestimmen letztlich […] die User und keine Algorithmen, die zu mehr Engagement führen sollen. Es gibt keine redaktionellen Inhalte und wir wollen niemandem vorschreiben, was er oder sie zu liken hat.»

Dieser Laissez-faire-Ansatz hat – natürlich! – auch Schattenseiten. Und so stand Reddit immer wieder in der Kritik. 2013 etwa wurde nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon in einem Subreddit emsig nach potentiellen Täter*innen gesucht. Die User*innen – in der Community auch Redditor*innen genannt – liessen nicht locker. Sie sammelten Informationen, gingen Hinweisen nach und diskutierten heftig. Ein Ende fanden die Ermittlungen der Redditor*innen erst, nachdem die Polizei den Täter schnappte. Das Problem an der Sache war, dass der tatsächlich Täter und der Hauptverdächtige der Reddit-Community nicht übereinstimmte. Die Hexenjagd der Laiendetektive auf einen Studenten, der Wochen vor dem Anschlag Selbstmord begann, wurde von der Öffentlichkeit berechtigterweise verurteilt. Reddit zeigte sich in der Folge reuig.

Das Unternehmen muss sich immer wieder damit herumschlagen, inwiefern es in das Geschehen in den Subreddits eingreifen soll. Am liebsten wäre es CEO Huffman, wenn sich die Communitys selbst regulierten. Dafür sind Moderator*innen vorgesehen, die Regeln erstellen und diese auch durchsetzen. Das Modell mit dezentralen Moderator*innen – sie sind nicht etwa von Reddit angestellt oder berufen, sondern kommen aus der Community – zeigt aber seine Grenzen. Was gemeinhin als Hassrede wahrgenommen wird, kann die Community und der*die jeweilige Moderator*in anders auffassen. Das führte jüngst dazu, dass Reddit zig Subreddits schliessen musste. Darunter etwa «The_Donald», eine Gruppe mit 790.000 Follower*innen, in der es hauptsächlich um Präsident Trump und dessen Ideen ging.

Nun expandiert das Unternehmen: Nach England, Kanada und Australien eröffnet das Portal in Deutschland einen weiteren Standort. Es ist erst die vierte Auslandsniederlassung des amerikanischen Unternehmens und das erste in einem nicht-englischsprachigen Land. Das ist ein Indiz dafür, dass das Modell Reddit nicht überall funktionieren mag. Nichtsdestotrotz hegt das Unternehmen Pläne, bald an die Börse zu gehen. Umso interessanter dürfte es für uns sein, die nächsten Schritte dieses Unternehmens aus nächster Nähe verfolgen zu können. 

Collage mit Erdbeere, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas, Zehnernote

Was kostet eigentlich das Internet?

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