Screen-Zeit zurückgewinnen

Mehrere Personen die auf ihr Smartphone schauen

Screen-Zeit zurückgewinnen

«Apple wird heute das Telefon neu erfinden.», verlautete Steve Jobs im Januar 2007, als er das erste iPhone vorstellte. Der damalige Apple-CEO sollte Recht behalten. Das Gerät veränderte die gesamte Telekommunikationsbranche. Und unsere Gesellschaft gleich mit. Welche Auswirkungen die Smartphone-Nutzung auf unsere Psyche hat, beschäftigt seither immer mehr Forscherinnen und Forscher.

Die Schweizer Bevölkerung zückt das Smartphone durchschnittlich 88 mal täglich und verbringt 2.5 Stunden pro Tag am Screen. Von diesen 88 mal könnten wir auf knapp die Hälfte verzichten, denn Entsperren und Rumscrollen haben keinen bestimmten Grund. Die Zahlen der amerikanischen App Moment sind noch beunruhigender: Fast 50% aller weltweiten Smartphone-User sollen mehr als 5 Stunden pro Tag am Screen hängen.

Unser Hormonhaushalt ist mitschuldig. Denn der Griff zum Smartphone schüttet Dopamin, das Glückshormon, aus. Doch der Effekt nutzt sich ab. Das heisst, wir müssen die Handlung immer öfters vollziehen, um den Kick zu spüren. Studien haben zudem gezeigt, dass die Smartphone-Nutzung negative Auswirkungen auf unseren Stresslevel hat, Depressionen begünstigt, die Produktivität mindert und bei Kleinkindern auch die kognitive Entwicklung beeinträchtigt.

Die Tech-Riesen wissen, wo sie ansetzen müssen, um unsere Vernunft auszuhebeln. Der sogenannte «Infinite Scroll» wie man ihn beispielsweise von Instagram kennt macht es schwierig, das Smartphone aus den Händen zu legen – es gibt schliesslich immer Neues zu sehen. Des Weiteren setzen immer mehr Unternehmen auf Design-Methoden, die Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften umsetzen, sodass User möglichst viel Zeit auf den jeweiligen Apps und Webseiten verbringen.

Doch der Druck der Öffentlichkeit steigt. Zwei Apple-Inverstoren forderten die Firma in einem öffentlichen Brief auf, Studien durchzuführen und Eltern Tools an die Hand zu geben, um Kindern eine optimale(re) Smartphone-Nutzung zu lehren. Apple hat letztes Jahr das Feature «Screen Time» vorgestellt, das Usern vorrechnet, wie viel Zeit sie täglich am Display verbringen und wofür sie aufgewendet wird. Android, Facebook, Instagram und YouTube gehen ähnliche Wege.

Es werden auch immer mehr Apps entwickelt, um die Screen-Zeit nicht nur zu tracken, sondern mithilfe von Automationen und Coachings auch aktiv zu steuern. Die oben erwähnte App Moment ist eine davon. Kevin Holesh entwickelte sie 2014 – weil er aufgrund des Mobiltelefons mit Eheproblemen kämpfte. Mittlerweile zählt Moment 8 Millionen Nutzer, Tendenz steigend.

Um die Smartphone-Nutzung einzuschränken, helfen bereits einfache Tricks wie zum Beispiel das Deaktivieren von Push-Nachrichten und Notifications. Oder das Tragen einer Armbanduhr, sodass für die Zeitabfrage kein Device mehr notwendig ist. Wer einen radikalen Schnitt braucht, wechselt von einem Smart- auf ein Dumbphone wie zum Beispiel das MP 02 der Schweizer Firma Punkt. Wobei man sich fragen muss, welches Gerät nun tatsächlich «smart» und welches «dumm» ist.

Mann im Bett am Smartphone

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