Sportveranstaltungen im Offside?

Leere Stadionränge

Sportveranstaltungen im Offside?

25 US Dollar – so viel kosteten Tickets für die Saisoneröffnung der New York Yankees Anfang April 2021. Und das 24 Stunden vor Spielbeginn. Ein veritables Schnäppchen – in vergangenen Jahren mussten Sportfans nämlich jeweils dreistellige Beträge hinblättern, um einem Sportspektakel dieser Grössenordnung beiwohnen zu können.

Wie kann es sein, dass Karten für ein Spiel des mit Abstand erfolgreichsten Teams in der Geschichte der US-amerikanisches Major League Baseball (MLB) so günstig zu kriegen waren? Klar, die Wetteraussichten für den Game Day waren nicht die besten. Auch zählen die vergangenen paar Spielzeiten nicht zu den erfolgreichsten in der Geschichte des 1901 gegründeten Traditionsclubs. Nichtsdestotrotz überrascht ein solch krasser Preiszerfall.

Ein amerikanischer Experte für Live-Events mutmasst, dass die ansonsten oft exorbitanten Preise auch unter der Popularität der Kryptowährungen leiden. Kryptowährungen? Genau. Denn seitdem der Handel mit Bitcoins & Co. zum Mainstream wurde, so behauptet Eric Fuller, kann jede Person, die ein Mindestmass von Tech-Savviness mitbringt, sieben Tage die Woche während 24 Stunden zocken. Und Zocker*innen hätten, so Fuller weiter, keinen unwesentlichen Anteil im Live-Publikum von Sportveranstaltungen ausgemacht.

Davon abgesehen habe sich die FOMO (fear of missing out) im vergangenen Jahr grösstenteils in Luft aufgelöst. Keine*r im Umfeld gibt einem noch das Gefühl, irgendwo dabei sein zu müssen – auch mensch sich selbst nicht. Das wiederum – und die von der Pandemie ausgelöste allgemeine Unsicherheit – lässt Broker*innen, die in den USA grosse Mengen an Tickets von Clubs abkaufen, um diese dann weiter zu verticken, zurückschrecken.

Und in der Schweiz? Der Ticketverkauf hierzulande funktioniert anders. Auch dürfte der Anteil von auf die Spiele wettenden Zuschauer*innen hierzulande deutlich geringer sein. Trotzdem machen sich verschiedene Protagonist*innen im Schweizer Profisport Zukunftssorgen. Jüngst sprach etwa FC Sion-Präsident Christian Constantin von einem Tsumani, den er auf die oberste Schweizer Fussballiga zukommen sieht.

Die wegbleibenden Fans, die nach nächsten Öffnungsschritten wohl nicht automatisch in die Stadien zurückströmen werden, stellen Sponsoring-Verträge mit Lieferant*innen von Bier, Wein, Mineralwasser, Käse oder Kaffee infrage, liess der extravagante Walliser Vereinspräsident verlauten. Ohne Zuschauer*innen gingen seinem FC Sion pro Quartal fünf Millionen Franken verloren. «Da nützt selbst ein A-fonds-perdu-Beitrag von einer Million kaum etwas», beklagt Constantin weiter.

Immerhin: Die Aufmerksamkeitsspanne, die US-Experte Fuller beim Publikum von Live-Veranstaltungen als rückläufig einschätzt, wird bei Fussballpartien weniger arg strapaziert, als bei einem Baseballspiel. Während mensch für ein Baseball-Game schnell mal einen halben Tag einkalkulieren muss, dauert ein Fussball-Match inklusive Pause keine zwei Stunden. Vielleicht ist also doch kein Preiszerfall in dem Ausmass wie in der MLB zu erwarten...

Ein weisser Game Controller

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