Staatsbürger einer Plastikmüll-Insel werden?

Bild der Nationalflagge von Trash Isles

Staatsbürger einer Plastikmüll-Insel werden?

Im Pazifischen Ozean, etwas abseits der Küste von Hawaii, hat sich eine Insel aus Plastikmüll mit dem Flächenausmass von Frankreich gebildet. Um dagegen anzukämpfen, haben sich die Umweltorganisation Plastic Oceans Foundation und das Unterhaltungs- und Newsportal LADbible zusammengetan.

Gemeinsam bemühen sie sich darum, dass die Plastikinsel zu einem eigenständigen Staat wird – samt Flagge, Bewohnern, Reisepässen, Briefmarken und eigener Währung, genannt: Debris. Der erste offizielle Staatsbürger ist niemand geringeres als Al Gore, der sich 2006 durch den Dokumentarfilm «Eine unbequeme Wahrheit» als Umweltaktivist outete. Dieses Jahr erschien übrigens der Nachfolger: «Immer noch eine unbequeme Wahrheit – Unsere Zeit läuft».

Aber wie soll ein Land, das geologisch gesehen keines ist, als offizieller Staat anerkannt werden? Für eine Anerkennung gibt es Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Laut Artikel 1 der Konvention von Montevideo über Rechte und Pflichten der Staaten von 1933 wird ein Staat anerkannt, wenn er eine ständige Bevölkerung, ein definiertes Staatsgebiet, eine Regierung und die Fähigkeit, in Beziehung zu Staaten zu treten, hat.

Die Müllinsel, die bisher «The Great Pacific Garbage Patch» genannt wurde, hat Staatsgrenzen – auch wenn etwas lose, da Plastikmüll. Zusammen mit dem Ex-Vizepräsidenten Al Gore als erstem Staatsangehörigen und mehr als 100’000 Menschen, die auf ihren neuen Pass warten, steht einer funktionierenden Regierung und der Fähigkeit, mit anderen Regierungen zu interagieren, nichts im Weg.

Aus diesem Grund hat sich das Land, welches nun «Trash Isles» genannt werden möchte, bei den Vereinten Nationen als 196. Staat des Planeten Erde beworben. Auch wenn das Vorhaben nicht gelingt, so hätte man das Problem von riesigen Plastikmüll-Inseln in den Weltmeeren auf internationalem Parkett höchst effektiv adressiert.

Denn die Inseln schaden nicht nur den Meeresbewohnern, sondern in Form von Mikroplastik auch uns, wenn wir Fisch oder andere Fischereierzeugnisse zu uns nehmen. Bis 2050 wird das kumulierte Gewicht von Plastik im Meer dasjenige vom gesamten Fischbestand sogar überwiegen – der Beginn einer weiteren Müllinsel haben Forscher*innen im Südpazifik erst kürzlich entdeckt.

Wenn unsere Ozeane nicht richtig funktionieren, geht der Fischbestand noch mehr zurück und das Wasser kann das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid schlechter aufnehmen. Folge: das Erdklima erwärmt sich schneller, die Eiskappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt und das Wetter wird extremer; Beispiele dafür sind die jüngsten Hurrikane.

Sollte das Vorhaben aber glücken, so wäre die Welt dazu verpflichtet, das Land «Trash Isels» zu reinigen. Denn im Umweltprogramm der Vereinten Nationen steht, dass alle Mitglieder einander bei der Konservierung und dem Schutz der Umwelt helfen müssen. Was heisst: Wird «Trash Isles» zu einem Land, so kann die Welt die Müllinsel nicht weiter ignorieren.

Collage von Sonnencreme, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas

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