Städte gehen gegen Touri-Ströme vor

Viele Velos in Amsterdam

Städte gehen gegen Touri-Ströme vor

Die Menschheit reist gern und vor allem: immer häufiger. Laut der Weltorganisation für Tourismus haben sich Übernachtungszahlen internationaler Gäste seit 1980 vervierfacht. Gemäss einem Report des World Travel & Tourism Council steuert der Reise- und Tourismussektor mittlerweile über 3 Prozent zum globalen Bruttoinlandsprodukt, sprich 2.4 Billionen US-Dollar, bei. Schätzungen zufolge könnte sich der Anteil bis 2027 auf 3.5 Billionen steigern.

Was auf den ersten Blick gut klingt – schliesslich schafft der Tourismussektor Stellen und die Wirtschaft bleibt in Schwung –, wird für manche Destinationen zu einem echten Problem. Das Phänomen «Overtourism», eingedeutscht «Übertourismus», beschäftigt unter anderem Amsterdam, Island, Bali und Dubrovnik. Die Städte und Inseln beherbergen zeitweise mehr Touristen als Einheimische.

Die Gründe für die steigende Popularität bestimmter Destinationen sind vielfältig. Zum einen könnte man den jeweiligen Tourismusorganisationen «zu gute Arbeit» vorwerfen. Aber auch Filme und Serien erhöhen die Beliebtheit mancher Ortschaften. Dubrovnik verzeichnet nicht zuletzt dank «Game of Thrones» regen Zulauf, Bali aufgrund der Buchverfilmung «Eat, Pray, Love» mit Julia Roberts. Ebenfalls werden Social Media und tiefe Reisekosten in Zusammenhang mit Übertourismus gebracht.

Hollands Touristen-Zahlen beispielsweise steigerten sich in den vergangenen zehn Jahren um 60%, 2017 zählte der Staat 18 Millionen Touristen. Die besonders populäre Hauptstadt Amsterdam geht mit verschiedenen Massnahmen gegen den Andrang vor, unter anderem werden Strassen bewacht und gegebenenfalls temporär geschlossen. Auch wird beispielsweise öffentliches Urinieren oder Rumjohlen teuer bestraft.

Amsterdam hat ebenfalls eine Eintagestaxe für Touristen ohne Übernachtung eingeführt. Denn die Stadt wird nicht nur von Billigfliegern, sondern auch von Kreuzfahrtschiffen angesteuert. Da die Schiffe häufig am selben Tag wieder ablegen, profitiert die Stadt kaum von den Touristen. Zwei Reedereien fahren Amsterdam aufgrund der im Januar 2019 eingeführten Taxe bereits nicht mehr an.

Auch Airbnb hat die holländische Hauptstadt ins Visier genommen und verlangt eine Tourismustaxe von den Wohnungsanbietern. Andere Städte gehen ebenfalls restriktiv mit der Plattform um. In Barcelona muss man als Anbieter eine Lizenz einholen, in Paris dürfen Wohnungen nicht mehr als 120 Tage im Jahr an Touristen vermietet werden.

Bali verlangt neuerdings eine Tourismustaxe von 10 Dollar pro Person. Die indonesische Insel nutzt die Einnahmen explizit zum Schutz der Natur und Erhalt des kulturellen Erbes. Island schützt seine natürlichen Ressourcen mit Besucher-Kontingentierungen. Zu dieser Methode greift auch die peruanische Regierung, um dem Andrang bei der Ruinenstadt Machu Picchu Herr zu werden.

Sind Taxen der richtige Weg im Kampf gegen den «Overtourism»?

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