Trinkgeld – No-Go oder Pflicht?

Trinkgeld auf einem Tisch in einem Restaurant

Trinkgeld – No-Go oder Pflicht?

Im Taxi, Restaurant oder Hotel – das Trinkgeld ist in verschiedenen Branchen gang und gäbe. Der Obolus war zeitweise noch verbreiteter. Laut des Historikers Winfried Speitkamp hat es sich nicht in allen Berufen gleich gehalten. Bekannt ist der Obolus seit der Antike, im 19. Jahrhundert wurde er besonders populär. Dank neuer Verkehrsmittel, wachsenden Städten und neuen Berufen. 

Die Verbreitung des Trinkgeldes kam nicht überall gleich gut an. Zu den Kritikern gehörte beispielsweise Rudolf von Jhering. Der bekannte Jurist schrieb 1882 in einer Streitschrift gegen das Trinkgeld:  «Das Trink­gelderwesen ist in meinen Augen eine durch die Sitte organisierte Art der Bettelei.»

Im 21. Jahrhundert sorgt das Thema nach wie vor für Diskussionen. Fragen der Rechtmässigkeit und Moral stehen im Raum. Etwa, ob es in Zeiten von gesetzmässig vorgeschriebenen Mindestlöhnen eine Demonstration sozialer Überlegenheit ist, Trinkgeld zu geben. Oder warum die Servicefachfrau einen Obolus kriegt und der Kassierer nicht.

Die Sache wird nicht einfacher, wenn wir den Kulturkreis wechseln und in andere sozialpolitische Gefüge reisen. In Amerika beispielsweise reicht der staatliche Mindestlohn – 7.25 US-Dollar pro Stunde – nicht zum Überleben. Entsprechend ist es dort üblich,  15 bis 25% Trinkgeld zu geben.

Mancherorts überlässt man die Trinkgeld-Frage gar nicht erst der zahlenden Person, jedenfalls nicht in Restaurants. In Italien etwa nennt sich das «coperto» – gemeint sind Gebühren fürs Brot und das Gedeck, die immer auf der Rechnung landen. In französischen Restaurants findet sich oft die Position «Service compris 15%» auf der Abrechnung.

Es gibt auch Länder, welche die Dienstleistungsbereitschaft so stark in ihrer Kultur verankert haben, dass es gar als Affront empfunden wird, wenn jemand extra dafür bezahlen will. Dazu gehören unter anderem Japan und Korea. 

 

Ich gebe

Choices
Foto eines Velokuriers

Hat die Küche ausgedient?

Online-Lieferservices entwickeln sich zur Goldgrube. Auch in der Schweiz bestellen immer mehr Menschen ihr Essen online. Der Boom stellt nicht nur die Restaurant-Branche auf den Kopf.