Umweltfreundliches Zuhause aus Bierdosen

Foto eines Earthships in Taos, New Mexico

Umweltfreundliches Zuhause aus Bierdosen

Die sogenannten «Earthships» erinnern teilweise an die Bauten der Künstler Hundertwasser und Niki de Saint Phalle. Doch bei den bunten Häusern, die nach dem Modell von Architekt Michael Reynolds gebaut werden, steht nicht die Ästhetik im Vordergrund. Diese Art des Bauens soll die Antwort auf viele Herausforderungen der westlichen Welt sein, denn sie ermöglicht nachhaltiges, selbstversorgendes und netzunabhängiges Wohnen respektive Leben.

Michael Reynolds ist der Begründer des «Earthship»-Konzepts, mit dessen Entwicklung er bereits in den 1970er-Jahren begonnen hat. Der Architekt reagierte damit auf die Probleme mit Müllentsorgung sowie auf die teuren Immobilienpreise. Die ersten Häuser baute Reynolds unter anderem aus Bierdosen, die zu Bausteinen zusammengesetzt und schliesslich zu Wänden verputzt wurden. In heutigen «Earthships» dienen oft alte Autoreifen als Basismaterial für Wände.

Die Wiederverwendung von Materialien, die vermeintlich ausgedient haben, ist nicht das einzige Plus von Reynolds Modell. In «Earthships» werden geschlossene Heiz- und Versorgungskreisläufe geschaffen, sodass die Häuser netzunabhängig funktionieren. Die Wasserversorgung basiert zum Beispiel auf Regenwasser, das in einem internen System aufbereitet und anschliessend mehrfach verwendet wird. Unter anderem zum Giessen des Wintergartens, in dem Früchte und Gemüse gedeihen. So sollen die jährlichen Haushaltskosten von 9780 auf 3900 Dollar reduziert werden.

In New Mexico steht die weltgrösste «Earthship»-Siedlung. Die «Greater World Earthship Community» dient als Dreh- und Angelpunkt von Reynolds, der bis heute für seine Idee im Einsatz ist. Man kann Touren durch die Siedlung buchen, sich zum «Earthship»-Bauer ausbilden lassen oder einfach ferienhalber nach Taos reisen.

Weltweit gibt es über 1000 Häuser nach Reynolds Modell. Die Kosten variieren von Projekt zu Projekt. Einerseits, weil die klimatischen Bedingungen für die Wahl der recycelten Bestandteile und damit den Preis relevant sind. Andererseits sind Materialien wie etwa Blechdosen nicht überall als Baumaterial zugelassen und gegebenenfalls müssen kostenintensivere Alternativen verwendet werden. «Earthships» sollen aber unter 100’000 US-Dollar realisierbar sein. Das erste europäische Projekt in Süddeutschland – ein 155 Quadratmeter grosses Haus für 28 Bewohner – kostete 300’000 Euro und wird seit zwei Jahren bewohnt.

Nebst «Earthships» gibt es mittlerweile zahlreiche weitere Ideen und Bemühungen, kostengünstigen und nachhaltigen Wohn- und Lebensraum zu schaffen. Die amerikanische Konstruktionsfirma ICON beispielsweise erstellt ganze Häuser mithilfe von 3D-Druckern. Die Nullenergiebauten sollen künftig maximal 4000 US-Dollar kosten und innert 24 Stunden herstellbar sein. Das erste zugelassene ICON-Haus wurde im März 2018 in Austin präsentiert.

Bild aus der Vogelperspektive eines Wohnquartiers

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