(Un)bezahlte Entdeckungen

Studioszene mit Kopfhörer und Lautsprecher

(Un)bezahlte Entdeckungen

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und die Social-Media-Feeds sind voll mit «Top Tracks»: Listen, die der Streaming-Service Spotify für seine Nutzer*innen zusammenstellt. Den persönlichen musikalischen Jahresrückblick mit seinen Freund*innen teilen – gerade im Corona-Jahr eine hübsche Sache. 

Die Omnipräsenz in den Sozialen Medien verdeutlicht auch die Beliebtheit von Spotify. Das schwedische Unternehmen ist mit 320 Millionen monatlichen Nutzer*innen, wovon 144 Millionen einen Premium-Account haben, Marktführer für Musikstreaming.

Mit den Jahresendlisten tauchen aber auch wieder vermehrt kritische Kommentare auf – von Musiker*innen selbst. Kritik am schwedischen Branchenprimus aus der Szene ist nichts Neues. In der Vergangenheit prangten bereits Grössen wie Prince, die Beatles, Taylor Swift, Coldplay, Tool oder Adele den Konzern an. Vor unterschiedlichen Hintergründen, aber meistens aufgrund der Entschädigungsmodelle.

Schon vor dem Jahresrückblick in Listenform zog der Streaming-Multi heuer Aufmerksamkeit auf sich – ungewollt, versteht sich. Im Herbst stellte die Union of Musicians and Allied Workers (UMAW) unter dem Titel «Justice at Spotify» eine Liste mit Forderungen zusammen: Mehr Geld und bessere Zahlungskonditionen für die Künstler*innen, mehr Transparenz bezüglich Verträgen, Geldflüssen und Credits, sowie weniger Streitigkeiten vor Gericht forderte der Verband.

Spotify reagierte – wohl eher ungewollt und schlechtem Timing geschuldet – mit der Einführung einer neuen Funktion, der «Discovery Mode». Dabei werden ausgewählte Songs in den bestehenden Funktionen «Radio» und «Autoplay» vom Spotify-Algorithmus bevorzugt behandelt. Mehr Aufmerksamkeit, mehr Plays, mehr Geld? Leider nein. Denn als Gegenleistung für den neuen Service kriegen Künstler*innen nur eine «promotional recording royalty rate» für ihre Musik. Will heissen: Weniger Geld pro Stream.

Dieser Mechanismus – Aufmerksamkeit gegen Bezahlung – stösst der Musikszene sauer auf. Einige fanden gar, dass es sich bei der Funktion um Payola handle und sie darum illegal sei. Payola ist ein Kofferwort, das sich aus den Worten «pay» und «Victrola» – dem Namen einer einst populären Marke für Musikabspielgeräte – zusammensetzt. Die Idee dahinter: Ein Musiklabel oder -vertrieb besticht Radiomacher*innen, damit gewisse Songs öfters gespielt werden und damit bessere Charts-Platzierungen bekommen. «Pay for play», hiess es früher in der Szene.

Spotify wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Anders als bei Payola würden vor allem auch Nachwuchskünstler*innen von der «Discovery Mode» profitieren, denn man könne bereits mit kleinen Beträgen einsteigen, heisst es beim Anbieter. Ob das der Beliebtheit des Anbieters unter Musiker*innen zuträglich ist, lässt sich bezweifeln. Spotify selbst zumindest ist sich sicher, dass die neue Funktion den Hörer*innen zugute kommt: Das Hörerlebnis werde dank der «Discovery Mode» noch besser.

Bild von der New York Stock Exchange mit einer Spotify-Flagge

Der eigenartige Börsengang von Spotify

Spotify könnte schon bald an der Börse in New York gehandelt werden. Das sparsame Vorgehen des schwedischen Unternehmens macht die Schätzung des Aktienpreises allerdings schwierig.