Vergiss YOLO, jetzt kommt FIRE

Foto von Personen auf Surfbrettern im Wasser

Vergiss YOLO, jetzt kommt FIRE

Das Akronym YOLO wurde 2012 zum Jugendwort des Jahres gewählt. Es steht für «You only live once» – zu deutsch: Du lebst nur einmal. Also mach’ das Beste aus deinem Leben, hab’ Spass, geniesse deine Zeit. Denkt man YOLO weiter, landet man vielleicht bei FIRE.

Die Abkürzung kombiniert die beiden Komponenten «Financial Independence» und «Retire Early». Anhängerinnen und Anhänger der FIRE-Bewegung beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Zeit und Geld respektive mit ihrer Prioritätensetzung. Ziel ist es, finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen und weit vor 65 in Rente zu gehen.

Komplett neu ist das Konzept nicht. Vicki Robin gilt als FIRE-Wegbereiterin. Die heute 73-Jährige hat in den 1990er-Jahren gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Joe Dominguez das Buch «Your Money or Your Life» – übersetzt: Dein Geld oder Dein Leben – veröffentlicht. Darin geht es um einen bewussten Umgang mit Geld, die Transformation unseres Verhältnisses dazu und finanzielle Unabhängigkeit.

Das Buch wurde mittlerweile neu aufgelegt und inhaltlich aufs 21. Jahrhundert angepasst. Inklusive Vorwort von Mr. Money Mustache. Hinter dem Pseudonym steckt der Kanadier Pete Adeney. Der frühere Software-Ingenieur begann 2011, über seinen Weg zur finanziellen Unabhängigkeit und frühzeitigen Rente – als 30-Jähriger! – zu bloggen. Adeney zählt zu den wichtigen Figuren der FIRE-Bewegung und wird im Web mitunter als «FIRE-Held» und «Sparsamkeits-Guru» gefeiert.

Sparsamkeit ist ein wichtiger Grundstein des FIRE-Pfads. Hat man das 25-Fache der jährlichen Ausgaben auf der hohen Kante, gilt man in FIRE-Kreisen als finanziell unabhängig. Bevor sich Pete Adeney in Rente geschickt hat, sparte er 70% seines Jahreseinkommens. Einen Teil davon legte er an, um auf Lebensdauer Einnahmen zu generieren.

Denn es geht beim FIRE-Prinzip nicht «bloss» darum, Kapital anzuhäufen, sondern das Geld systematisch zu investieren und es langfristig für sich arbeiten zu lassen. Herr Geld-Schnauz arbeitet übrigens gewissermassen auch wieder. Er veranstaltet unter anderem ein jährliches Retreat. Tickets dafür kosten über 400 US-Dollar. Die letzte Ausgabe war in weniger als einer Minute ausverkauft.

FIRE-Blogger betonen immer wieder, dass man sich als Erstes fragen sollte, warum man diesen Weg einschlagen will. Also wovon man sich pensionieren lassen möchte und was man, sofern erfolgreich, mit der freien Zeit anstellt. Auf dem Blog Our Next Life haben Tanja Hester und Mark Bunge einen Fragenkatalog zusammengestellt, anhand dessen sich herausfinden lässt, ob man überhaupt zum FIRE-Anhänger taugt. Spoiler: Ein Job-Koller reicht lange nicht.

Bild eines Zugs auf dem Landwasserviadukt

Das Gute liegt so nah

Fernreisen sind dank stetig sinkender Flugpreise günstig geworden. Den Preis dafür bezahlt die Umwelt – am Ende sind das auch wir. Dabei gibt’s auch Paradiese direkt vor unserer Haustür.