Virtuell ins Museum

Screenshot aus dem digitalen Rundgang des Schweizerischen Nationalmuseums

Virtuell ins Museum

Noch vor wenigen Jahren schienen die Museen in Sachen Digitalisierung eher den Anschluss zu verpassen als Spitzenreiter zu sein. Die Corona-Krise hat – wie in so vielen anderen Organisationen und Unternehmen – auch in diesem Bereich einiges beschleunigt. Mittlerweile sind viele Museen weltweit gezwungen, ihre Besucher*innen ausschliesslich online zu empfangen.

Das hat einschneidende Folgen und Expert*innen sprechen schon von einer Zeitenwende: Immersive Technologien und virtuelle Medien nehmen massiv an Bedeutung zu. Die Nachfrage nach digitalen Kulturangeboten, das zeigen die vergangenen Monate, ist riesig.

Das Digital-Team des New Yorker Metropolitan Museum of Art meldete eine Zunahme von sagenhaften 4106 Prozent im Streaming. Und die Online-Schauräume der Art Basel waren so populär, dass sie aufgrund des Ansturms zusammenbrachen.

Viele Museen stecken darum zunehmend mehr Ressourcen in ihre Online-Projekte. Die folgenden drei Beispiele zeigen, dass sich das lohnt:

 

Finding Van Gogh – Städel Museum

Keine Ausstellung – sondern ein fünfteiliger Podcast, der es in sich hat: «Finding van Gogh» erzählt die bewegte Geschichte von van Goghs letztem Porträt. Der Maler beendete es kurz vor seinem Suizid. Das «Bildnis des Dr. Gachet» war ursprünglich ein Herzstück des Städel Museums in Frankfurt am Main. 1937 beschlagnahmten es die Nationalsozialisten und erklärten es zur «entarteten Kunst»; 1990 wurde es für eine Rekordsumme von 82,5 Millionen Dollar versteigert. Seither ist das Bild unauffindbar. Der vom Städel Museum produzierte Podcast macht sich auf die Suche nach ihm und erzählt auf packende Weise seine Geschichte. Verdientermassen hat der Podcast mehrere Preise eingeheimst – unter anderem den Grimme Online Award 2020.

 

Sammlung – British Museum

Zwei Millionen Jahre Menschheitsgeschichte auf sechs Kontinenten in einer Sammlung – so beschreibt das British Museum den Umfang seiner Sammlung. Diese Sammlung und ihre sage und schreibe viereinhalb Millionen Objekte lassen sich online erkunden: Highlights wie etwa eine Medizinmaske kanadischer Ureinwohner oder der Sarkophag eines ägyptischen Hohepriesters lassen sich in hoher Auflösung im Detail bestaunen. Zwar lassen sich auch die Ausstellungen im Haus via Google Arts&Culture in virtuellen Touren durchschreiten – das Erlebnis fällt dann doch etwas ab. Empfehlenswert sind viel eher die spannenden Blogbeiträge, welche Objekte und Ausstellungsthemen begleiten: Zum Beispiel dieser imaginäre Reisebericht durch das äthiopische Imperium von Aksum im 6. Jahrhundert nach Christus.

 

Der erschöpfte Mann – Schweizerisches Nationalmuseum

Die Geschichte hat ihre Männerideale geschaffen und wiederholt – die Sieger, Schöpfer, Helden und Abbilder Gottes. Doch entpuppen sich diese Ideale bei genauerem Hinsehen schnell als mögliche Überforderung, an der Männer auch zu scheitern haben. Die Ausstellung von Stefan Zweifel und Juri Steiner im Landesmuseum streift durch die europäische Kulturgeschichte des Mannes: Zwei Jahrtausende aus Philosophie, Gesellschaft und Medizin illustrieren das Ringen um den Männlichkeitsbegriff – in einer Zeit, in der Geschlechterrollen aufs Neue intensiv verhandelt und hinterfragt werden. Die virtuelle Tour bietet nicht nur spannende Hintergründe zu den versammelten Zeugnissen und Werken, sondern auch Mitschnitte der Aufbau-Arbeiten, Podcasts und einen Audioguide.

Mikrofon vor einem Gamer-Bildschirm

Megaerfolg dank Pandemie

Vom Gamer-Medium zum Hub für Live-Kultur: Das Portal Twitch ist spätestens seit der Corona-Krise das dominierende Portal für Livestreaming.