Warum jetzt Libra?

Das Libra-Logo vor einem verschwommenen Facebook Logo

Warum jetzt Libra?

Im Juni 2019 präsentierte Mark Zuckerberg seine neueste Idee: Libra – eine digitale Währung, die auf der Blockchain-Technologie fusst. Sie soll ab Frühjahr 2020 Geldtransfers mit nur einem Klick und zu sehr günstigen Konditionen möglich machen. Mit dem eigens entwickelten digitalen Portemonnaie Calibra soll man ebenfalls für Produkte und Dienstleistungen – on- und offline – bezahlen können. 

Anders als zum Beispiel bei der Krypto-Währung Bitcoin ist das Netzwerk geschlossen, das heisst, eine festgelegte Anzahl sogenannter Nodes hat Zugriff auf die Software und verifiziert Libra-Transaktionen.

Um die Währung stabil zu halten, ist sie an Reserven gekoppelt. Kauft man also Libra beispielsweise mit US-Dollar, wird der bezahlte Dollar-Betrag hinterlegt oder in kurz laufende Anlagen investiert. Die Facebook-Währung gilt damit als «stable coin» (zu deutsch: stabile Münze). Was allerdings bedenklich ist: Es soll bisher nirgends eine Garantie auf Einlösung in die Ursprungswährung im Libra-Whitepaper zu finden sein.

Hinter Libra steckt nicht nur Facebook. Zuckerberg hat für den Launch eine Stiftung ins Leben gerufen, die ihren Sitz in Genf hat. Bisher unterstützen knapp 30 Partner die Libra Association mit je mindestens 10 Millionen US-Dollar und wirken je als Node – von PayPal über Vodafone bis hin zu Spotify. Angestrebt sind 100 Partner, auch Bankinstitute seien willkommen.

Dass ein Unternehmen mit einer Reichweite wie Facebook – 2.4 Milliarden nutzen das soziale Netzwerk pro Monat – ins Währungsgeschäft einsteigt und bankähnliche Funktionen übernimmt, beunruhigt vor allem Regierungen. Im Juli befassen sich die sieben führenden Industriestaaten mit Libra, der US-Senat plant eine Anhörung.

Es wird gerätselt, ob Zuckerberg mit Libra angekratzte Vertrauensverhältnisse kitten will. Mit der Weitergabe von knapp 90 Millionen Facebook-Nutzerdaten an die Beratungsfirma Cambridge Analytica hat das Netzwerk 2018 nicht nur für einen teuren Skandal gesorgt, sondern auch einen Reputationsschaden eingefahren.

Die Libra Association behauptet, die Währung sei insbesondere für all jene gut, die keinen Zugang zu Bankdienstleistungen haben. 2017 waren das 1.7 Millionen Menschen aus hauptsächlich sieben Staaten, darunter China und Indien. Wie viel Libra diesen Personen tatsächlich nützt, ist fragwürdig. Einerseits aufgrund staatlicher Regulierungen wie Facebook-Sperren und Krypto-Währungsverboten. Andererseits, weil es bereits Dienstleister wie etwa M-Pesa in diesem Segment gibt.

Vielleicht locken Libra letztlich doch die Nutzerdaten? Sie sollen zwar nicht  nicht standardmässig mit jenen von Facebook zusammengeführt werden, doch klar ist: Zuckerberg wird mit der Währung über noch mehr Informationen verfügen, sofern sich Libra tatsächlich etabliert. Ob und wie die Stiftung diese Daten allenfalls monetarisiert, bleibt abzuwarten. 

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