Was kostet eigentlich ein Hit?

Rihanna

Was kostet eigentlich ein Hit?

Zu Beginn der 1990er-Jahre hat man angefangen die Verkaufszahlen der Musikindustrie systematisch zu erfassen. Gegen Ende 2016 wies die Statistik ein Allzeittief aus. Ein Anstieg scheint nicht in Sicht, obwohl mehr Musik gehört wird denn je.

Die einleuchtende Erklärung: junge Musikkonsumenten kaufen kaum noch ganze Alben, sie kaufen Singles – wenn sie überhaupt noch Musik kaufen und sie stattdessen nicht einfach streamen. Stars wie Rihanna haben ihre Geschäftsmodelle auf diese neuen Gegebenheiten angepasst. Statt Alben zu produzieren mit einem Dutzend Stücken, die eine zusammenhängende Geschichte erzählen oder eine künstlerische Vision hören lassen, wird alle paar Monate eine Single rausgehauen.

Zu einer Single gehört ein Video – gespickt mit Produktplatzierungen und Lifestyle-Botschaften. Im Clip zu ihrem Hit «Rude Boy» trägt die Sängerin aus Barbados beispielsweise drei verschiedene Modelle einer japanischen Uhrenmarke. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, der Werbevertrag könnte ihr aber mehr eingebracht haben, als ihre Beteiligung an den Singleverkäufen und Streaming-Tantiemen.

An der Musik verdienen tun in erster Linie sowieso Verleger und Labels. Sie wollen ihre Investitionen wieder einspielen – dazu gehört meist auch ein Barvorschuss à fonds perdu an den Künstler – und sich ihr Risiko vergüten lassen. Ein hohes Risiko.

Wer einen Hit produzieren lassen will, braucht zunächst Komponisten und Texter. Erfahrene Hitschreiber verlangen gut und gerne 20’000 US-Dollar für einen Song. Studio und Musikproduzent nehmen auch noch einmal soviel, macht schon 40’000 US-Dollar. Rihannas Vocal Producer kostet weitere 15’000 US-Dollar. Zum Schluss muss das Stück abgemischt und gemastert werden: plus 15’000 US-Dollar. Unter dem Strich kostet die Herstellung eines potenziellen Verkaufsschlagers also 70’000 US-Dollar.

Es sind aber nicht die Produktionskosten, die den Braten fett machen. Richtig teuer sind Marketing und Promotion. Songs, die Hits werden sollen, müssen quasi zeitgleich und über einen längeren Zeitraum exzessiv im Radio, im TV, auf Musikplattformen wie Spotify, auf Social Media und in Restaurants und Supermärkten gespielt werden. In den USA kostet eine solche Kampagne für einen etablierten Star wie Rihanna eine Million US-Dollar!

Lange Rede, kurzer Sinn: Einen Hit über die USA – immer noch der einflussreichste Musikmarkt – zu lancieren, kostet rund 1,1 Millionen US-Dollar.

Abbildung Smartphone-Display mit Spotify-App

Was kostet eigentlich ein einzelner Musikstream?

Streaming-Dienste sind aus der Musikindustrie nicht mehr wegzudenken. Was für Konsumenten ein lukratives Angebot ist, wirft für Musikschaffende allerdings wenig ab.