Was kostet eigentlich ein Influencer?

Collage mit Smartphone, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas, Zehnernote

Was kostet eigentlich ein Influencer?

Wir alle kennen mindestens eine Person in unserem jeweiligen Umfeld, deren Meinung wir besonders schätzen. Was er oder sie über das neue Bio-Duschgel, den neuesten Pixar-Streifen oder die kürzlich genutzte Airbnb-Wohnung erzählt, hat in der Regel Hand und Fuss. Wir ziehen es in Betracht, diese Produkte oder Dienstleistungen ebenfalls zu konsumieren. Nun, diese Person verdient damit eigentlich den Titel Influencer.

Zumindest fast. Er oder sie müsste die Empfehlungen auf einer Social Media Plattform präsentieren und mindestens 5000 Follower damit bei Laune halten, um als sogenannter Micro-Influencer durchzugehen. Jedenfalls gemäss dem amerikanischen Magazin Entrepreneur. Wieviele Follower eine Person zu einem Micro-Influencer machen und wann das Präfix wegfällt, ist wie so vieles im noch jungen Influencer-Universum nirgends offiziell definiert.

Klar hingegen ist, dass Influencer für Unternehmen zunehmends an Relevanz gewinnen. Das sogenannte Influencer Marketing boomt, 10 Milliarden US-Dollar soll der Markt bis 2020 wert sein. Agenturen, die sich auf Influencer Marketing spezialisieren, schiessen wie Pilze aus dem Boden. 2015 waren es gemäss einer Studie des Influencer Marketing Hub 190 derer, 2017 bereits 420. Und auf Google haben sich entsprechende Suchanfragen um 325% gesteigert.

Eigentlich wenig überraschend, dass Firmen neue Marketingwege einschlagen und immer stärker auf Meinungsmacher in der digitalen Welt setzen. Potentielle Kunden lassen sich von klassischen Werbemassnahmen kaum noch beeindrucken. In der digitalen Welt haben viele User einen AdBlocker installiert und kriegen Werbung gar nicht mehr zu sehen.

Der neueste Facebook-Algorithmus bevorzugt Posts von Familie und Freunden, Verleger und Brands ziehen den Kürzeren. Aber der wohl wichtigste Grund: Empfehlungen von anderen Konsumenten sind für die Mehrheit aller Konsumenten vertrauenswürdiger als Empfehlungen von Unternehmen.

Die Voraussetzungen für eine Influencer-Karriere waren also nie besser. Doch nur wer Fleiss, Geduld, einen Sinn für Ästhetik und ein Gespür für originelle Geschichten mitbringt, wird die erwähnten Entwicklungen für sich als Influencer ummünzen können. Wenn überhaupt.

Laurie Shannon alias The Icing Artist arbeitete während 2.5 Jahren darauf hin, ihr Leben vollständig mit ihrem Youtube-Channel zu finanzieren. Nun verdienen sie und ihr Gatte monatlich zwischen 10’000 und 40’000 US-Dollar. 96 Prozent der Youtuber schaffen das gemäss dem deutschen Professor Mathias Bärtl allerdings nicht und verdienen jährlich weniger als 12’100 Dollar.

Was Firmen für einen Influencer-Beitrag hinblättern, variiert stark. Verschiedenste Parameter beeinflussen den Preis, unter anderem welche Social Media Plattform bespielt wird, wie der Influencer mit seiner Community interagiert und natürlich auch wie gross die Reichweite ist. 500 bis 5000 Franken pro Beitrag sollen für Schweizer Influencer drin liegen, wie Simon Künzler der Marketingagentur xeit in einem SRF-Interview schätzte.

Im Ausland sieht’s anders aus: Reise-Influencer Jack Morris etwa kriegt schon mal 9000 US-Dollar für einen Insta-Werbepost. Kendall Jenner soll übrigens bis zu 250’000 Dollar dafür einstreichen. Ein stolzer Preis für… ja, für was eigentlich? Einerseits kaufen sich Unternehmen mit diesen Influencer-Posts natürlich ein Publikum. Passt ein Influencer gut zu einem Brand, können Produkte einer Zielgruppe glaubwürdig präsentiert werden.

Zudem trägt ein Post bestenfalls zu einem positiven Firmenimage bei und das Markenbewusstsein kann ebenfalls gesteigert werden. Die effektive Rendite – in Zahlen ausgedrückt – zu ermitteln, ist gegenwärtig allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Dafür sind die Messtools für diese junge Marketingdisziplin noch nicht ausreichend entwickelt.

Bild von Erik Finman, liegend mit einer 100-US-Dollar Note im Mund

Aussen Prolo, innen Weltverbesserer

Bitcoin-Millionär Erik Finman präsentiert sich auf Social Media gerne als protzendes Rich Kid. Hinter den Provokationen des 19-Jährigen steckt allerdings eine edle Absicht.