Was kostet eigentlich Skorpiongift?

Collage mit Skorpion, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas, Zehnernote

Was kostet eigentlich Skorpiongift?

Weltweit sind zur Zeit etwa 2’350 verschiedene Skorpionarten bekannt, darunter sind nur um die 50 Arten giftig genug, um auch für Menschen lebensgefährlich zu sein. Je nach Quelle sterben jährlich 1’000 bis 5’000 Menschen durch Skorpionstiche – hauptsächlich in Mexiko. Man sagt: Auf jeden Tod durch eine Giftschlange kommen zehn durch giftige Skorpione. Kommt es zu einem tödlichen Stich, tritt der Tod nach fünf bis 20 Stunden durch Atemstillstand ein.

Skorpione bevorzugen steinige oder sandige Böden und sind hauptsächlich in Bodennähe in den Tropen, Subtropen, Wüsten oder Halbwüsten zu finden. Skorpione gibt es – ausser auf dem antarktischen Kontinent – überall auf der Welt. Sogar die Schweiz hat drei heimische Arten, welche in unserem Süden ansässig sind – dem Wallis, Tessin und Engadin. Diese sind für den Menschen etwa so gefährlich wie Bienen und Wespen.

Es ist noch gar nicht so lange her, seit Skorpiongift überhaupt das erste Mal genauer untersucht wurde. Dabei wurde herausgefunden, dass sich im Gift gewisse Proteine finden, die der Humanmedizin zuträglich sein können. Beispielsweise wird untersucht, ob es als Heilmittel für Autoimmunerkrankungen wie Lupus, Rheuma und Multiple Sklerose eingesetzt werden kann – gegen Krebs wird es schon getestet.

Da Skorpione nur sehr wenig Gift aufs Mal absondern, braucht es sehr viel Zeit und Aufwand, um genügend Gift für die Forschung gewinnen zu können. Man spricht hierbei von «Melken». Durch elektrische Stimulation werden die Tiere dazu gebracht, Gift abzusondern. Dadurch werden pro Mal im Schnitt etwas unter 0.5 Milligramm gewonnen – und tendentiell mehr als bei einem Stich in der freien Wildbahn.

Ein Liter Skorpiongift kostet ungefähr 10.5 Millionen Franken, das sind also 5.25 Franken pro Giftabsonderung. Um einen Liter zu gewinnen, braucht es ganze zwei Millionen Absonderungen. In Kombination mit der mühsamen und lebensgefährlichen Arbeit ist der hohe Preis damit nachvollziehbar.

Ein marrokanisches Forschungsteam der Hassan II Universität in Casablanca hat nun einen Roboter entwickelt, welcher gleich mehrere Skorpione gleichzeitig melken kann, ohne dass dabei Tiere oder die Forscher*innen gefährdet werden.

Skorpiongift könne auch ein vielversprechendes Schmerzmittel sein, das weniger schnell abhängig mache als die gängigen Schmerzmittel. Dem gegenüber steht ein Trend von indischen Jugendlichen, die sich von Skorpionen stechen lassen, um einen rauschähnlichen Zustand zu erlangen.

Obwohl der Stich schmerzhaft sei, überwiege die Euphorie danach. Ein Markt dafür scheint sich etabliert zu haben und so warten Skorpionhalter in Seitengässchen und Parks Delhis und Mumbais auf ihre Kundschaft, die sich für umgerechnet zwei Franken stechen lassen wollen.

Zum Vergleich: Das durchschnittliche Einkommen pro Jahr liegt in Indien bei ungefähr 6’500 Franken, das sind 540 Franken im Monat. In der Schweiz liegt es bei 5300 Franken im Monat. Das ist ungefähr ein Zehntel von uns, was heisst: Im Vergleich würden wir in der Schweiz 20 Franken für einen Skorpionstich hinblättern.

Foto von einem leeren Bett im Krankenhaus

Was kostet eigentlich das letzte Lebensjahr?

Alles endet mit dem Tod, oder etwa nicht? Für den Einzelnen mag dies ja zutreffen, auf die Allgemeinheit kommt jedoch oft noch einiges zu. Was kostet also das letzte Lebensjahr in der Schweiz?