Was kostet eigentlich Sündigen?

Collage von angebissenem Apfel, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas

Was kostet eigentlich Sündigen?

Heuer feiern wir 500 Jahre Reformation – allen voran die Protestanten. Dass man Letztere so bezeichnet, geht auf den mittelalterlichen Theologen und Priester Martin Luther zurück. Dieser «protestierte» 1517 in einem Schreiben an den Erzbischof Albrecht von Brandenburg gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche.

Die Protestnote von Luther war eine Reaktion auf die Sündenerlass-Geschäfte des Dominikaners Johann Tetzel, der im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation für die «Vermarktung» von Ablassbriefen verantwortlich war. Den Segen beziehungsweise die Lizenz dazu hatte Tetzel vom Papst – dieser brauchte Geld, um den Petersdom neu und noch monumentaler zu bauen.

Ablassbriefe waren päpstliche oder bischöfliche Urkunden, die den Sündigen teilweise oder ganz von einer Strafe im Jenseits befreien sollten. Lebende konnten aber auch für ihre Verstorbenen einen Ablass erkaufen. Und genau hier zeigte sich die Unverschämtheit von Tetzel und seiner «Ablass-Mafia».

Spätestens Verkaufsargumente wie, «Siehe deine Mutter an, wie sie von den Flammen des Fegefeuers gequält wird! Und das leidet sie von deinetwegen, der du mit einem Groschen ihr zu Hilfe kommen kannst», haben die ungebildeten Menschen des Mittelalters zu dankbaren Abnehmern der Ablässe gemacht. Bezahlt wurde nach Vermögen und Einkommen – Reiche mehr, Arme weniger.

1567 hob Papst Pius alle Almosenablässe auf und führte drei Jahre später die Exkommunikation für jene ein, die weiterhin mit Ablässen Handel treiben wollten. Gläubige, die heutzutage Ablass möchten, können beispielsweise eine Pilgerreise tun. Eine Verschonungsgarantie vor dem Höllenfeuer gibt’s vom Vatikan allerdings keine mehr.

Foto des Kopfs einer Frau von der Seite mit dem Hirnlesegerät von Emotiv

Was kostet eigentlich Gedankenlesen?

Wer hat nicht schon einmal zu jemandem gesagt: «Ich würde so gerne wissen, was dir jetzt gerade durch den Kopf geht». Nun ist es möglich – für ein paar hundert Franken.