Was kostet eigentlich Warten?

Collage mit Taschenuhr, Taschenrechner, Sparschwein, gefülltem Münzglas

Was kostet eigentlich Warten?

In einer Zeit in der wir alles gleich sofort haben können, mutet es beinahe als Herausforderung an, Geduld zu beweisen. Wer kein Geld hat, nimmt Kredit auf. Wer keine Zeit hat, um in den Laden zu gehen, lässt sich beliefern. Und wer halt einfach keine Lust zu Warten hat, zückt das Smartphone und lässt sich berieseln.

«Zeit ist Geld» heisst es und in manchen Lebenssituationen trifft dies definitiv zu: Beispielsweise im Taxi, wenn man sich beinahe nicht traut den Taxameter zu beobachten, da dieser alle zwei Sekunden einen noch höheren Betrag anzeigt. Oder aber in der Wirtschaft:

Dort gibt es eine Strategie, um ein Gefühl für Wert von Zeit zu erhalten: «Cost of Delay

Auf Deutsch: «Die Kosten von Verspätung.» Hierbei wird herauszufinden versucht, ob es sich bei gewissen Dingen noch etwas zu warten lohnt, oder ob es allenfalls sogar wertvoller wäre, die Sache schon einen Monat früher hinter sich zu bringen.

Ein Beispiel: Eine Firma, die Software herstellt, muss so schnell wie möglich ein Programm abliefern. Nun stellt sie sich aus kostentechnischen Gründen die Frage: «Was wäre, wenn wir uns hierbei einen Monat verspäten?», beziehungsweise: «Wie viel wäre es uns wert, einen Monat früher fertig zu sein?»

Hätten sie einen Monat länger Zeit, könnten sie das Programm zwar merklich verbessern, in derselben Zeit können sie aber keine neuen Aufträge bearbeiten, was wiederum kein Geld in die Kassen spült. Das Gleiche gilt in der umgekehrten Situation, wer nicht warten mag, spart zwar Zeit, riskiert dafür, dass das Endprodukt nicht zufriedenstellend ist – was wiederum dem Ruf der Firma schaden kann.

Der Trick an der Sache liegt – einmal mehr – in der Balance. Wissenschaftlern zufolge sei die Langeweile, die beim Warten schnell einmal entstehen kann, Schlüssel zu Kreativität und Erfolg. Denn wer seine Gedanken in diesen oft unfreiwilligen Ruhepausen schweifen lassen kann, trainiert die Areale, die im Gehirn für Konzentration zuständig sind sowie diese für Tagträumerei. Also: Je mehr diese zusammen aktiviert werden, umso kreativer.

Trotzdem soll dann aber auch nicht zu lange mit einer Entscheidung gewartet werden. Wem also das nächste Mal beim Warten auf den Zug langweilig wird und den Drang verspürt, zum Smartphone zu greifen, soll doch versuchen innezuhalten und mal wieder die Gedanken schweifen lassen. Wer weiss, vielleicht kommt einem plötzlich etwas Wertvolles in den Sinn, was vor langer Zeit vergessen ging und in Zukunft hilfreich sein wird – es kann sich lohnen.

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«Du bist gerade an einer am Boden liegenden 100er-Note vorbeigelaufen, warum hast du sie nicht aufgehoben?» – «Ich dachte ich hätte mich getäuscht, wäre es eine gewesen, hätte sie jemand genommen.»