Weisses Gold für Sklaven

Bild eines Arbeiters bei der Salzgewinnung in der Afar Region in Äthiopien

Weisses Gold für Sklaven

Salzgeld wurde viele Jahrhunderte lang in Äthiopien und Eritrea als Währung gehandelt. Sogar schon die römischen Legionäre erhielten ihren Sold in Form von Münzen und Salz – dies um einerseits auf ihren langen Reisen genügend Mineralien zu sich nehmen und andererseits um es dann weiterverkaufen zu können, da Salz je nach Region zum Leben wertvoller war als Gold. Von daher rührt auch das Wort Salär, welches auch heute noch benutzt wird. «Sal» bedeutet Salz in Latein.

Das «weisse Gold», auch Amole genannt, wurde aufgrund seiner Doppelfunktion gerne gehandelt: Einerseits galt es als Ware und andererseits als symbolischer Geldwert. Das Salz gab es in Barren in einer Grösse von circa 28 cm x 5 cm x 4 cm, die ein Gewicht von bis zu einem Kilo Gewicht aufweisen. Damit diese Barren nicht so schnell auseinanderbrachen, wurden sie mit Naturfasern umwickelt.

Die Barren wurden im Hochland Äthiopiens aus grösseren Salzblöcken geschnitten, welche wiederum aus den Salzlagerstätten in der Afar-Tiefebene gebrochen wurden. Diese Blöcke hatten eine gelblich-graue Farbe, die vom ungereinigten Zustand des Salzes stammte. Es konnte nur während der Trockenzeit Salz gefördert werden, da sich das Salz bei Regenfall auflöste.

Der Wert dieser Amoli war je nach Entfernung zu den Salzbruchstellen unterschiedlich: Je weiter ein Amole sich von seinem Ursprungsort entfernte, umso mehr Wert hatte er. Auch die Jahreszeit sowie die Beschaffenheit des Salzbarrens wirkten sich auf den Wert aus. Beispielsweise konnte der Wert in der Regenzeit bis zu 50 Prozent ansteigen und Barren ohne Kratzer und Kerben waren ebenfalls mehr Wert.

Der portugiesische Missionar Francisco Àlvares, der im 16. Jahrhundert von seinen Reisen berichtete, habe erfahren, dass es für die gleiche Menge Gold in der Nähe der Salzlagerstätte 120 bis 130 Amoli und in der rund 600 Kilometer entfernten Provinz Shewa nur noch fünf Amoli gab – also: Je weiter entfernt von der Quelle, umso wertvoller das Salz.

Laut dem griechischen Schriftsteller der Spätantike und Reisenden Kosmas Indikopleustes, der 525 nach Christus das Aksumitsche Reich – heutiges Eritrea – besuchte, wurden Amoli schon damals als Zahlungsmittel verwendet. Bis ins 18. Jahrhundert war es üblich, die Bezahlung von Dienstleistungen mit einem Gemisch aus Münzen, Salz und anderen Handelswaren, wie Tieren, Getreide oder Baumwollstoffen vorzunehmen. Auch für Sklaven wurde zum Teil mit Salz bezahlt.

Obwohl der innerafrikanische Sklavenhandel vor allem in Westafrika betrieben wurde, wo die Sklaven als Exportgut an weisse Sklavenhändler für die amerikanischen Kolonien verkauft wurden, so wurden doch an die 7’000 Sklaven jährlich durch äthiopische Königreiche ins übrige Äthiopien und ins Ausland verkauft. Gerade auf dem Weg durch die Sahara, wo viel geschwitzt wurde, war Salz überlebensnotwendig.

Foto von einer Kaurimuschel

Tierisches Geld zum Sklaven kaufen

Bevor es Blockchain, Plastik-, Papier- und Metallgeld gab, bezahlte man in weiten Teilen der Welt mit «tierischem» Geld. Und das bis ins 19. Jahrhundert.