Wieviele Biberfelle für eine Flinte?

Bild von einem ausgebreiteten Biberfell

Wieviele Biberfelle für eine Flinte?

Bevor es den Pelzhandel gab, drückte sich der persönliche Reichtum vielerorts durch die Grösse der Viehherde aus. Wie weit dies in der Geschichte zurückreicht, kann man der lateinischen Sprache entnehmen. Das lateinische Wort «pecunia» für Geld leitete sich nämlich vom lateinischen «pecus» (Vieh) ab.

Ein ausgereifter überregionaler Handel mit Vieh kam aber nicht zustande, da es schwierig war, lebende Tiere über grössere Distanzen zu transportieren. Vor allem im Norden und Osten Europas wurde deswegen schon früh angefangen mit Häuten, Fellen und Pelzen zu handeln, weil diese handlicher waren und bei guter Lagerung weniger leicht Schaden nehmen konnten.

Der europaweite Fellhandel führte dazu, dass die späteren Bezeichnungen für Geld Ableitungen von den Bezeichnungen für Tierhaut, Fell und Pelz waren. So bedeutet beispielsweise der Name der heutigen kroatischen Währung «Kuna» nicht anderes als «Marder», was die Bedeutsamkeit des Marderfells für den einstigen Handel unterstreicht.

Auch in Nordamerika wurde fleissig mit Fellen gehandelt. Die sogenannte Hudson’s Bay Company, ein kanadisches Handelsunternehmen, legte im 17. Und 18. Jahrhundert Tauschtarife für Biberfell fest. So kostete beispielsweise eine Flinte – ein Jagdgewehr – 15 Biberfelle und ein Pfund Tabak zwei Biberfelle – jedoch nur für «Weisse».

Ureinwohner waren Opfer von Diskriminierung: Für eine Flinte mussten sie so viele aufeinander geschichtete Biberfelle bezahlen, wie das Gewehr lang war. Obendrauf kam, dass diese von Jahr zu Jahr länger gemacht wurden. Diskriminierungen wie diese waren Teil von einer systematischen Benachteiligung, die auch heute noch anhält.

Es ist allgemein bekannt, dass die Beziehung zwischen Eingewanderten und Ureinwohnern zu keinem Moment eine einfache war. Dass die Europäer einen nahezu menschenleeren Kontinenten entdeckt hätten, wurde mehrfach als politischer Mythos widerlegt. Noch bis 1940 wurde dieser dankbar geglaubt und vertreten, um die Aneignung eines Kontinents und die Vernichtung und Diskriminierung von indigenen Völkern unter den Teppich zu kehren.

PS: Wie gross die Bevölkerung des Amerikanischen Kontinents zur Zeit von dessen «Entdeckung» war, kann nur geschätzt werden – man geht von um die 50 Millionen aus. Wirtschaftliche Ausbeutung, Kriege, eingeschleppte und auch gezielt verbreitete Krankheiten, ethnische Säuberungen und Skalpprämien führten zu extremer Dezimierung von indigenen Völkern, Kulturen und Sprachen.

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