«Wir sind nicht primär auf Klicks aus»

Ein Titelbild von Baba News

«Wir sind nicht primär auf Klicks aus»

Albina Muhtari ist Gründerin und Chefredaktorin der Schweizer Plattform baba news. Im Interview erzählt die Jungunternehmerin, was sie motiviert, was sie herausfordert und wie es baba news finanziell geht.

Ihr seid 2018 mit baba news gestartet. Wofür steht eure Plattform?

baba news berichtet direkt aus dem Inneren einer multi-ethnischen Community in der Schweiz, denn wir finden, dass diese mittlerweile sehr grosse Zielgruppe nicht adäquat in den Schweizer Medien abgebildet wird. Häufig wird sie in der Berichterstattung mit bad news in Verbindung gebracht. Das wollen wir ändern. Unsere Leser*innen, Zuschauer*innen und Follower*innen sind 16- bis 36-Jährige aus der ganzen Schweiz.

In einem Interview von 2019 hast du erwähnt, dass du ehrenamtlich arbeitest. Habt ihr die Finanzierung mittlerweile sicherstellen können?

Wir haben mehrere Partner*innen, die baba news unterstützen, hauptsächlich Stiftungen. Allerdings sind die Beiträge nicht so hoch, dass wir uns einen Lohn auszahlen können. Deshalb sind wir auf der Suche nach weiteren Partner*innen, die gern einzelne Projekte oder aber auch baba news als Ganzes unterstützen möchten. Weiter haben wir ein Member-System etabliert, dass es unseren Leser*innen, Zuschauer*innen und Follower*innen möglich macht, uns finanziell zu unterstützen. Dies ist noch ganz frisch, ermöglicht es uns aber, einen Teil unserer Kosten zu decken.

Was fordert dich – auch in unternehmerischer Hinsicht – am meisten und wie behältst du deine Motivation?

Anders als bei einem normalen Medienjob kommt bei einem Projekt wie baba news das ganze Finanzielle hinzu. Wir können bei einer neuen Idee nicht einfach loslegen, wie in einer etablierten Redaktion, sondern müssen ständig überlegen, ob es beispielsweise Stiftungen, Vereine oder Firmen gibt, die das Format finanziell unterstützen könnten. Das nagt hier und da an der Motivation, da wir mit der Produktion aufgrund von Anträgen manchmal wochenlang warten müssen. Die Motivation trotzdem weiterzumachen, hole ich mir primär vom Feedback der Community, die uns immer wieder bestätigt: Es braucht eine Plattform wie baba news.

Eure Video-Antwort auf einen Clip der Begrenzungsinitiative-Befürworter*innen sorgte vor Kurzem für viel Wirbel. Wie wichtig sind solche «Hits» für eure Plattform und dein Team?

Das Video ist ganz spontan und in einem Zeitraum von etwa zwei Stunden entstanden. Dass es derart viral ging, hat uns selbst überrascht. Das war natürlich ein riesiger Erfolg für uns, da wir so mit einem Schlag über 120'000 Leute erreichen konnten – allerdings sind wir bei baba news nicht primär auf Klicks aus, sondern produzieren Content, den wir als relevant einstufen. So waren uns Themen wie Vorurteile und Rassismus von Beginn an ein Anliegen, was uns auch während der Black-Lives-Matter-Bewegung zugute kam, da wir auf bereits produzierte Inhalte zurückgreifen konnten und andere Medien plötzlich Interesse an unserer Arbeit zeigten.

Wie sehen Ziele von baba news aus und wie seid ihr unterwegs?

Unser primäres Ziel ist es, uns langfristig finanzieren zu können. Die Finanzierung möchten wir auf verschiedenen Standbeinen abstützen: Durch Stiftungsgelder, via Werbepartner, durch ein Member-System und vielleicht sogar durch staatliche Unterstützung von Online-Medien, falls diese in den nächsten Jahren auf politischer Ebene durchkommt.

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