Zukunftschance Smart Farming

Ein Mann in einer Vertical Farm

Zukunftschance Smart Farming

Die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft, so meinte der Schweizer Bundespräsident und gelernte Landwirt Guy Parmelin in seiner Rede zur Eröffnung der diesjährigen Olma in St. Gallen, habe sich gerade in der Corona-Krise als krisenresistent erwiesen. Sie schaffe es, das geänderte Konsumverhalten und die gesteigerte Nachfrage nach lokalen Produkten zu bedienen. Und sie könne, so zeigte sich Parmelin optimistisch, auch ein Teil der Lösung für Probleme und Herausforderungen der Zukunft sein – gerade etwa hinsichtlich des Klimawandels.

Das mag sein – allerdings besteht diesbezüglich durchaus auch noch Aufholungbedarf. So ist etwa der Einsatz von Pestiziden derzeit noch zu hoch, wie eine jüngere Studie aufzeigt. Und es sind einige Innovationen gefragt, um die Emissionen in der Landwirtschaft zu senken und so das für die Schweiz gesetzte Klima-Ziel  - «Netto-Null», also die Klimaneutralität bis 2050 – zu erreichen. Neue Futtermittel um den Methanausstoss von Kühen zu reduzieren, beispielsweise. Aber auch neue Technologien im Anbau sind gefragt, in der Überwachung von Feldern und Viehbeständen – und auch im Management des Hofs.

Eine Studie von McKinsey fordert deswegen einen globalen Digitalisierungsschub für die Landwirtschaft. Chips, Sensoren, Computerprogramme, Satelliten- und Drohnenbilder sollen die Bodenbeschaffenheit optimieren, die Lebensqualität des Viehs erhöhen, die Bewirtschaftung abgelegener Gebiete vereinfachen und die Effizienz der Produktion steigern. Mit diesen Technologien soll die Landwirtschaft, trotz mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen, wie zunehmenden Schädlingsdruck, Wasserknappheit, verstärkte Hitze und Trockenheit in vielen Weltregionen, genügend Nahrungsmittel produzieren können, um der weiterhin wachsenden Weltbevölkerung gerecht zu werden.

Diese so genannte «Landwirtschaft 4.0» wird derzeit von verschiedenen Unternehmen, Verbänden und auch Landesregierungen vorangetrieben. In der Schweiz ist etwa das Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope des Bundes damit beschäftigt, entsprechende Partnerschaftsprojekte mit Hochschulen und Startups voranzutreiben. Das Forschungsprojekte RumiWatch etwa soll mit Sensoren und Pedometern das Fress- und Bewegungsverhalten von Kühen analysieren, um allenfalls kranke Tiere schneller zu erkennen und entsprechend behandeln zu können. 

Kein Wunder, halten Expert*innen Smart Farming für einen Zukunftsmarkt mit grossem Potenzial. Nur schon etwa das so genannte Vertical Farming – wo in riesigen Gewächshäusern auf mehreren Ebenen Gemüse in Kunststoffmatten mit künstlichem Licht gezüchtet wird – wächst ähnlich rasant, wie die dadurch entstehenden Tomaten, Erdbeeren oder Cannabis-Pflanzen. Rund 3.7 Milliarden Dollar Umsatz sollen bereits 2027 allein mit den dafür benötigten LED-Lampen verdient werden können. Und schon 2015 wurden 30 Prozent der Wertschöpfung bei Landmaschinen global mit Software und Elektronik erreicht – ein höherer Anteil als bei der Automobilindustrie. Es erstaunt also nicht, dass Goldman Sachs 2019 Smart Farming als Wachstumsmarkt beschrieb. 240 Milliarden Dollar, 70 Prozent mehr Erträge bis 2050: So lautete die Prognose. Für findige Startups; Investor*innen und innovationsfreundliche Landwirt*innen ist es also ein guter Zeitpunkt, einzusteigen. Guy Parmelin wird’s freuen.

Eine Kuh

Klimaverträgliche(re) Kühe

Kühe rülpsen andauernd und stossen dabei Methan aus. Das Gas ist wesentlich klimaschädlicher als CO2. Vielleicht könnten Rotalgen und Leinsamen eine Lösung sein?